Bundeswehr in Afghanistan ?
2. November 2009
Bundesweite Kampagne gegen Krieg 20.11.- 28.11.2009
Das Mandat für die deutschen Soldaten in Afghanistan läuft am 13. Dezember aus, weshalb der Bundestag es Ende November/Anfang Dezember verlängern wird. Es wird eine der ersten wichtigen Abstimmungen des neuen Bundestags sein und ist für die Friedensbewegung eine Chance, zu zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen den Krieg in Afghanistan ist.
Dafür sollen im Rahmen der Kampagne „Truppen raus aus Afghanistan“ zwischen 20. und 28. November in möglichst vielen Städten und Stadtteilen Abstimmungen über die Verlängerung des Mandats gemacht werden. Wir geben den Menschen in Fußgängerzonen, vor Betriebseingängen, Universitäten, Schulen usw. die Chance, mit einem Stimmzettel ihre Meinung über den Bundeswehreinsatz auszudrücken. Am Ende sollen die Ergebnisse aller Abstimmungen in Deutschland zusammengezählt werden. Das Ergebnis wird allen Bundestagsabgeordneten zugeschickt, zusammen mit der Aufforderung, entsprechend abzustimmen.
Aus dem „Leitfaden für die abstimmungsaktion der Kampagne „Truppen raus aus Afghanistan“
Abzug der Bundeswehr!
Die Friedensbewegung ruft alle dazu auf, sich gegen die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes zu engagieren und überall die Debatte für Frieden in Afghanistan energisch zu führen!
Aus dem Flyer der Kampagne
Informationen, Hintergrund und Material unter:
Ausnahmezustand, Amtshilfe und Homeland Security
28. März 2009
Anlässlich des NATO-Gipfeltreffens Anfang April 2009 werden Polizei und Bundeswehr, in Zusammenarbeit, über eine ganze Region, zwischen Baden-Baden und Strasbourg, den Ausnahmezustand verhängen. Auch wenn die Bundeswehr laut Grundgesetz im Inland nicht eingesetzt werden darf, wird sie immer öfter, im Rahmen der so genannten Amtshilfe oder der Hausrechtseinsätze tätig. Die für die Inlandseinsätze der Bundeswehr geltenden Einschränkungen durch das Grundgesetz werden mittels der Amtshilfe umgangen. Hier wird durch die Initiative der Bundeskoalition immer weiter versucht das Grundgesetz so zu Manipulieren, um Inlandseinsätze zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bundeswehr, bedeutet und das nicht nur für die Teilnehmer der zu erwartenden Proteste und Aktionen gegen den NATO-Gipfel, das die vom Grundgesetz garantierten Rechte der Menschen, auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit und damit des Recht auf freie Meinungsäußerung, weiter massiv bedroht und missachtet werden.
Aus einem Artikel der sich mit der Antwort der Bundesregierung, zu den zwei kleinen Anfragen, seitens der Bundestagsfraktion der Linken, zur Amtshilfe und Hausrechtseinsätzen beschäftigt, von Ulla Jelpke (http://www.ulla-jelpke.de/news_detail.php?newsid=1188), der innenpolitischen Sprecherin der Linken:
„Gab es bis 1999 gerade mal eine Amtshilfe im Jahr, so waren es 2007 schon 16. Im Jahr 2008 stieg die Zahl dann auf 30. Auch die Zahlen für so genannte Unterstützungsleistungen Dritter steigen rasant an. Im Gegensatz zur Amtshilfe können dabei nicht nur Behörden, sondern auch Privatvereine und beispielsweise Rüstungsfirmen Einsätze der Bundeswehr beantragen. Zwischen den Jahren 2000 und 2007 pendelten die Zahlen zwischen 11 und 32. Im Jahr 2008 waren es 74.2. Auch bei den Hausrechtseinsätzen, bei denen der Bundeswehr das Hausrecht von zivilen Einrichtungen oder öffentlichen Räumen erhält, um diese – anstatt der Polizei – mit „Handwaffen“ und anderen „verhältnismäßigen Mitteln“ zu schützen, ist eine ähnliche Zunahme zu verzeichnen: „Seit Anfang 2005 haben solche Militärkommandos mindestens 927 Mal in Rathäusern, Fußgängerzonen oder Stadien das Kommando übernommen.“
„Nachdem die Regierung mit ihrem Plan einer Verfassungsänderung gescheitert ist, versucht sie es nun mit einer Militarisierung durch die Hintertür“, kritisierte Ulla Jelpke laut eines Artikels bei Neues Deutschland (http://www.neues-deutschland.de/artikel/144229.militarisierung-durch-die-hintertuer.html ).
Noch, zumindest laut Grundgesetz, gibt es Begrenzungen für den Einsatz der Bundeswehr im Inneren. So darf sie nur in Krisen- oder Katastrophenfällen im Rahmen der Amtshilfe oder Hausrechtseinsätzen im Inneren eingesetzt werden. Sie darf bei dieser Art von Einsätzen nichts von ihrer Ausrüstung benutzen was nicht auch der Polizei an Ausrüstung zur Verfügung steht. Das bedeutet zum Beispiel, keine Schwere Bewaffnung, Panzer und dergleichen. Tja, eigentlich! Zum Einsatz von Kampfflugzeugen und Spähpanzern der Bundeswehr, bei dem G8-Gipfel in Heiligendamm, kam es trotz dieser Gesetzeslage. Auch die zur Fußball WM 2006 in den Stadien eingesetzten Bundeswehrsoldaten mußten hinsichtlich ihrer Bewaffnung, die dann doch wohl eher zu den Materialien der Bundeswehr gezählt werden muß, scheinbar nicht auf Recht und Gesetz achten. Zudem lassen sich die eh schon sehr schwammig Formulierten Begriffe wie Krisen und Katastrophenfall oder Unterstützungsleistungen die ja sowiso an kein Recht gebunden zu sein scheinen in verschiedenster Weise Interpretieren und lassen somit unserer politischen Führung genug Raum je nach Stimmung und Gesinnung zu Handeln. Und momentan ist man dort eben damit zu gange die Trennung von Bundeswehr und Polizei immer mehr aufzuheben, „es geht darum, die Bundeswehr sowohl konkret in Einsatz zu bringen, aber sie auch als politisches Gewicht zur Überzeugung und zur Beeinflussung von Situationen heranzuziehen.“ Sagt Claudia Haydt. Claudia Haydt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Bundestagsfraktion der Linkspartei und engagierte bei IMI, die Aussage stammt aus einem Gespräch über das Thema „Homeland Security“ mit Christoph Hönow und Silvio Duwe welches am 19.02.2009 bei Telepolise erschien (http://www.imi-online.de/2009.php3?id=1909). Claudia Haydt stellt darin unter anderem fest: „Wenn man um die Herstellung von Sicherheit und um den Erhalt bürgerlicher Freiheiten besorgt ist, dann müssen wir klar für eine Aufgabenteilung kämpfen. Das Militär, wenn man es überhaupt braucht, hat eine Aufgabe, nämlich Feinde militärisch zu bekämpfen, die Polizei hat eine Ermittlungsaufgabe, und beides muss man fein säuberlich trennen, wenn man nicht zusätzliche Gefährdungslagen entstehen lassen will.“ Die Bundeswehr ist eben nicht für polizeiliche Arbeit ausgebildet, sondern für das Bekämpfen von Gegnern. Ihrer Ansicht nach wird die Zivilbevölkerung, im Inland wie im Ausland, zum gegner gemacht, der Punkt dabei ist, so Haydt, das diese Maßnahmen gar nicht so sehr gegen Terroristen gerichtet sind, „sondern dass es gegen die eigene Bevölkerung gerichtet ist. Dahinter könnte etwa die Angst stecken, dass zum Beispiel Streiks so stark werden könnten, dass sie eine wirtschaftliche Auswirkung haben. Man hat Angst davor, als Staat erpressbar zu sein von streikenden Energiearbeitern zum Beispiel, und will die Möglichkeit haben, ein Gegendrohpotential zu entfalten. Und je mehr wir in einem armen Land leben, je mehr die Not zunimmt, desto mehr wird das auch als Notstand definiert und desto mehr müssen wir dann auch mit Bundeswehreinsätzen im Inneren rechnen.“
Weitere interessante Information des Gesprächs mit Frau Haydt sind das die Bundeswehr auf Kreis und Landesebene, „ihren Anspruch, Experte für Krisenlösung und Katastrophenhilfe zu sein“ bereits erreicht hat, „ohne die Bundeswehr ist dort Krisen- oder Katastrophenhilfe schon gar nicht mehr möglich.“ Sie sind durch sogenannte „Bezirksverbindungskommandos“ in die ziviele Strukturen der Bezirke und Kreise integriert, so Haydt. Und weiter: „Rein faktisch und praktisch war es für die Bundeswehr notwendig, wenn sie den Anspruch auf Ordnung im Inneren weiter aufrecht erhalten will, dass sie auch weiter präsent ist. Sie hat das nun systematisch gemacht, viel systematischer als das vorher der Fall war.“ Zivile Fähigkeiten werden Stück für Stück abgebaut, das Militär macht sich immer unabkömmlicher. Es wird nach und nach zur einzigen Kraft die zivilen Schutz im Katastrophenfall bieten kann. Es kann schließlich definieren, was der Notfall räumlich und inhaltlich ist und das außerhalb der Anweisungs- und Rechenschaftsstrukturen der jeweiligen kommunalen Strukturen. „In gewisser Weise entstehen dadurch in den zivilen und eigentlich demokratisch kontrollierbaren Strukturen kontrollfreie Räume in denen die Bundeswehr das Sagen hat.“ Stellt Claudia Haydt im Gespräch klar.
Es war „eine politische Entscheidung zu sagen, wir wollen die Bundeswehr aber im zivilen Kontext auch als Krisenlösungsfaktor installiert haben. Das war der Auslöser dafür, in Deutschland wie in anderen Ländern eine Art Homeland Security zu installieren. Diese Homeland Security wurde über die Bezirksverbindungskommandos installiert“.
Lese den gesamten Text : Hier http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29750/1.html oder Hier http://www.imi-online.de/2009.php3?id=1909 .
„Der Krisenfall, der Angriff auf kritische Infrastruktur, kann ziemlich weit gefasst werden. Das heißt, eine Bekämpfung dieses Krisenfalls könnte auch bedeuten, dass im Zweifelsfall Soldaten gegen streikende Mitarbeiter oder gegen Menschen, die zum Beispiel Umweltproteste durchführen, eingesetzt werden können . Wenn das als Krise oder Terrorismus definiert ist, ist eben diese Einsatzschwelle gegeben.“ Claudia Haydt
Gegen das globale “Sicherheitsregime”
Aufruf zum „Summer of Resistance 2009“
Quelle: http://euro-police.noblogs.org/post/2009/03/23/resistance-2009
Gegen NATO, G20, G8, Frontex und das “Stockholm Programm”!
Sicherheitsarchitekturen einstürzen!
Seit Ende des letzten Jahrtausends findet innerhalb der EU ein Umbau der “Sicherheitsarchitektur” statt, der durch die Anschläge des 11. September 2001 in den USA nochmals beschleunigt wurde. Sichtbare Phänomene sind z.B. die Verschränkung innerer und äußerer Sicherheit, ein “Pooling” von Verfolgungsbehörden und Nachrichtendiensten und ein vereinfachter Datenaustausch.
Auf technischer Ebene werden wir konfrontiert mit neuen digitalen Überwachungskameras, Satellitenbeobachtung, Biometrie, Drohnen, Software zur intelligenten Suche in Datenbanken und neuen, breitbandigen Netzen zur Verwaltung dieser immensen digitalen Datenflut.
Neue Institutionen und Behörden wurden geschaffen, darunter das “Europäische Polizeiamt” Europol, die Polizeiakademie CEPOL, die “Grenzschutzagentur” Frontex oder der “Ausschuss für die operative Zusammenarbeit” aller polizeilichen Einrichtungen der EU samt ihrem geheimdienstlichen Lagezentrum.
Auf Initiative der damaligen französischen Verteidigungsministerin (und jetzigen Innenministerin) Michèle Alliot-Marie wurde 2004 die “Europäische Gendarmerietruppe” (EGF) eingerichtet. Die EGF soll in Krisengebieten die “Öffentliche Ordnung” gewährleisten, Aufstandsbekämpfung betreiben, geheimdienstliche Informationen beschaffen und Eigentum schützen.
Die Sicherheitsindustrie dürfte einer der wenigen Zweige sein, der von der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus und den daraus resultierenden Kämpfen gewaltig profitiert. Europas Polizeien bereiten sich auf Protest und Widerstand gegen die Auswirkungen der Krisen vor.
Selbst der Vorsitzende des Internationalen Währungsfonds IWF räumt ein, dass zukünftig mehr Aufstände zu erwarten sind.
Die Institutionen der “führenden Wirtschaftsnationen” sind gezwungen, sich neu zu organisieren. Die diesjährigen “Gipfeltreffen” der NATO, G8 und G20 sind für diese Neuordnung von zentraler Bedeutung. Themen wie Klima, Migration oder Landwirtschaft werden als sicherheitspolitische Risiken zur Bedrohung eines “westlichen Lebensstils” betrachtet.
Innerhalb der Europäischen Union finden innenpolitische Veränderungen statt, deren Auswirkungen gegenwärtig kaum einschätzbar sind.
Alle fünf Jahre beschließen die Innen- und Justizminister der EU neue Richtlinien einer gemeinsamen Innenpolitik. Das “Tampere-Programm”, 1999 unter finnischer Präsidentschaft beschlossen, hatte hauptsächlich eine “Steuerung der Migrationsströme” zum Inhalt. Neben der Aufwertung der Polizeibehörde Europol wurde die Einrichtung einer “Task Force der europäischen Polizeichefs” beschlossen, die sich mit “internationalem Terrorismus” und “gewalttätigem politischem Aktivismus” beschäftigt.
2004 wurde mit dem “Haager Programm” die Schaffung eines “Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts” verabredet. Wieder wurden Verschärfungen in der Migrationspolitik beschlossen, darunter der Aufbau der “Grenzschutzagentur” Frontex und das Abfangen von Flüchtlingen bereits in ihren Herkunftsländern. Das “Haager Programm” stellte die “Abwehr von Terrorismus” in den Mittelpunkt. Auf der Ebene des Informationsaustauschs und der Zusammenarbeit galt fortan das “Prinzip der Verfügbarkeit”.
Die Richtlinien von 2004 sind bereits von vielen EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt: Vereinheitlichung der “Terrorismus”-Gesetzgebung, Vorratsdatenspeicherung, Ausbau bestehender Datenbanken und gemeinsamer Zugriff darauf, grenzüberschreitende Polizeizusammenarbeit z.B. bei Sportereignissen oder politischen Massenprotesten, “Border Management”, Fingerabdrücke bei Antrag auf EU-Visum, ab 2009 biometrische Identifikatoren in neuen Ausweispapieren, Ausbau der Sicherheitsforschung, Zusammenarbeit in Strafsachen, Polizei im Ausland etc.
Das “Haager Programm” läuft aus, ein neues Programm soll nun im Herbst 2009 in Stockholm unter schwedischer EU-Präsidentschaft verabschiedet werden.
Während des deutschen EU-Vorsitzes 2007 schuf der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble mit dem damaligen EU-Kommissar für Inneres (“Justice and Home Affairs”), Franco Frattini, die “Future Group”. Diese “Future Group” bezeichnet sich selbst als “informelles Gremium” europäischer Innenminister, das Leitlinien europäischer Innenpolitik erarbeitet. Zur Verabschiedung des neuen “Stockholm Programms” hat die “Future Group” eine Wunschliste für “Polizeikooperation, Kampf gegen den Terrorismus, Management von Missionen in Drittstaaten, Migration und Asyl sowie Border Management, Zivilschutz, neue Technologien und Informationsnetzwerke” vorgelegt. Prioritäten sind das “Aufrechterhalten des ‘Europäischen Modells’”, “Bewältigen der zunehmenden Abhängigkeit zwischen innerer und äußerer Sicherheit” sowie die Gewährleistung eines “bestmöglichen Datenflusses innerhalb europaweiter Netzwerke”.
Die Maßnahmen, die in Stockholm beschlossen werden sollen, sind erst in einigen Jahren mit ihrer Ratifizierung in den Mitgliedsstaaten spürbar. Es stehen tiefgreifende Veränderungen auf dem Spiel: Ausbau und Vereinheitlichung von Polizei-Datenbanken, ein zentrales Bevölkerungsregister, “grenzüberschreitende Onlinedurchsuchung”, mehr Kontrolle des Internet, bessere Satellitenüberwachung, “Risikoanalyse” mittels Software, “e-borders” und “e-justice”, gemeinsame Abschiebeflugzeuge und – flüge, neue Flüchtlingslager in “Drittstaaten”, Einsatz des Militärs zur Migrationsabwehr, mehr polizeiliche Interventionen außerhalb der EU, Ausbau der paramilitärischen “Europäischen Gendarmerietruppe”, mehr Zusammenarbeit der In- und Auslandsgeheimdienste etc.
Angestrebt wird eine Art innenpolitische NATO mit der Schaffung einer “euro-atlantischen Kooperation im Bereich Freiheit, Sicherheit und Recht” ab 2014.
Auch in der NATO wird europäischer Innenpolitik eine zentrale Rolle beigemessen. Einerseits werden immer mehr Polizeimissionen in “Drittstaaten” lanciert, die dort Aufgaben der Militärs verrichten, Aufstände niederschlagen und lokale Polizeien trainieren. Zum anderen spielen NATO-Strategen den europäischen Innenministern den Ball gern zurück und verweisen auf die Wichtigkeit europäischer “Homeland Security”, ohne die eine “starke Verteidigung” nach außen nicht möglich sei. Die NATO sieht sich als Garant der “Sicherheit kritischer Infrastruktur” (z.B. Energie, Transport, Kommunikation) innerhalb der Mitgliedsländer.
Das Strategiepapier “Towards a Grand Strategy for an Uncertain World” von fünf Ex-Generälen, die in der Rüstungsindustrie verankert sind, fordert den Ausbau der “zivil-militärischen Zusammenarbeit”. Als “zivile Elemente” gelten z.B. Polizei, Nachrichtendienste, Forschung, Akademien, Zivilschutz, aber auch die private Sicherheitsindustrie. Die NATO will verstärkt auf die “Europäische Gendarmerietruppe” zurückgreifen.
Mit der “zivil-militärischen Zusammenarbeit” verschärft sich die Militarisierung sozialer Konflikte, unterfüttert durch innenpolitische Aufrüstung und neue “Anti-Terror”-Gesetze.
Der frühere EU-Kommissar für “Justice and Home Affairs”, Franco Frattini, wechselte nach den Wahlen in Italien 2008 ins Kabinett Berlusconis. Als neuer Außenminister ist er nun zuständig für den G8 auf der sardinischen Insel La Maddalena. Frattini sieht “Sicherheit” als zentrales Profil der neuen G8-Strukturen: “Europa kann, statt bloß Konsument, ein Produzent von Sicherheit werden. EU und NATO müssen sich aber integrieren statt sich zu überlagern. Wir werden diesen Gedankengang im Rahmen des G8 wieder aufgreifen”.
Italien verabschiedet “Sicherheitspakete” mit weitreichenden Verschärfungen für MigrantInnen. Nachdem die EU Lybien bereits mit Finanzhilfe zur Flüchtlingsabwehr ausgestattet hatte, hat auch Italien ein neues Kooperationsabkommen mit der lybischen Regierung unterzeichnet. Der italienische Rüstungskonzern Finmeccanica liefert Schnellboote, das Innenministerium freut sich dass Migration nun “auf null” reduziert würde.
Frattini bereiste Anfang 2009 Angola, Sierra Leone, Senegal und Nigeria um “Rücknahmeabkommen” für MigrantInnen auszuhandeln, die Länder mit Flüchtlingslagern auszustatten und fälschungssichere Pässe einzuführen. Es geht um Rohstoffsicherheit und ihre polizeiliche Durchsetzung: Im Gegenzug räumt Frattini den Regierungen eine Audienz beim G8-Gipfel ein, um den “Dialog zwischen erdölproduzierenden und – konsumierenden Ländern zu fördern”. Im Gefolge Frattinis reiste der italienische Polizeichef, um sofort die Umsetzung neuer Verträge zur Polizeiausbildung und Kooperation einzuleiten.
Als Auswirkungen des Zusammenbruchs des globalen Kapitalismus werden weltweit mehr Aufstände erwartet. Mit den jüngsten Riots in Griechenland, Island, Schweden, Litauen, Lettland, Bulgarien, Frankreich, Guadeloupe und Lampedusa ist Europa unmittelbarer Austragungsort heftiger Widersprüche und militanter Kämpfe geworden. Die in den zahlreichen Richtlinien, bilateralen Abkommen und Verträgen der letzten Jahre abgestimmten Maßnahmen für “Europa als Raum von Freiheit, Sicherheit und Recht” werden längst gegen antikapitalistischen Widerstand in Stellung gebracht, radikale Projekte und Bewegungen mit Ermittlungen und Verfahren nach “Terrorismus” überzogen. “Gemeinsame Ermittlungsgruppen” forschen, unterstützt von Europol, internationale Netzwerke aus. Handbücher und Datenbanken über “Troublemaker” sollen Proteste bei internationalen Großereignissen unter Kontrolle bringen.
Widerstand gegen die Zunahme von Überwachung und Kontrolle, gegen Repression und Aufstandsbekämpfung bleibt noch viel zu oft auf nationalstaatlicher Ebene stecken.
Wir rufen deshalb dazu auf, 2009 in mehreren grenzüberschreitenden Mobilisierungen die Entwicklung eines transnationalen Kampfes gegen die “Sicherheitsarchitekturen” voranzutreiben, egal ob sie von der NATO, den G8 oder EU zusammengezimmert werden sollen.
Wir sehen den Aktionstag zum NATO- Gipfel als Auftakt einer Kampagne für einen “Summer of Resistance 2009” gegen das globale “Sicherheitsregime”:
1. – 5. April | Frankreich/ Deutschland | NATO-Gipfel in Strasbourg, Baden-Baden und Kehl
8. – 10. Juli | Italien | G8-Gipfel | La Maddalena
25. – 31. August | Griechenland | no border camp | Lesvos
November oder Dezember | Schweden | Treffen der EU Innen- und Justizminister | Stockholm
Sicherheitsarchitekturen einstürzen!
¡No Pasarán! France | Gipfelsoli | Dissent! France | NoLager Bremen | Resistance des deux rives / Widerstand der zwei Ufer | transact | six hills Berlin | kein mensch ist illegal Hanau
Tobias Pflüger ist Mitglied des Europäischen Parlaments
Und im Vorstand der Informationsstelle Militarisierung e.V
Der Motoradclub MC Kuhle Wampe Freiburg ( http://www.freiburg.kuhle-wampe.de/frame.html ) hatte für den 12. März zu einem Informationsabend mit Tobias Pflüger geladen. Aus dem Fleyer zu dieser Veranstaltung:
Die NATO als Waffe des Westens
Die Mitgliedstaaten der NATO – und damit auch die meisten Staaten der EU – arbeiten seit dem Zusammenbruch der UdSSR und dem damit verbundenen Ende des kalten Krieges beharrlich und zielstrebig an einer Erweiterung des Verteidigungsbegriffs mit dem Ziel, weltweit militärische „Interventionen“ zu ermöglichen. Es ist zu erwarten, dass auf den NATO-Gipfel in Strasbourg ein weiterer großer Schritt auf diesem Weg vereinbart werden soll. Tobias Pflüger ist seit vielen Jahren ein ausgewiesener Experte für Friedenspolitik. Als Mitglied des Europäischen Parlaments hat er einen Arbeitsschwerpunkt in der Außen- und Militärpolitik der Europäischen Union.
Bei http://linksunten.indymedia.org/de/node/1296 gibt es einen Audio-Mitschnitt dieses Vortrages sowie mehr Informationen über andere Info-Veranstaltungen im Vorfeld des NATO Gipfels am 3. und 4. April.
In einem gemeinschaftlichen Aufruf „60 Jahre Heckler & Koch – Kein Grund zum Feiern!“ rufen die ökumenische Aktion Ohne Rüstung Leben (ORL), die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), das RüstungsInformationsBüro (RIB e.V.), die katholische Friedensbewegung Pax Christi und lokale Friedensgruppen zu einer ganzjährigen Informations- und Aktionskampagne anläßlich des 60. Geburtstages von Heckler & Koch auf. Mit einer Auftaktveranstaltung am 6. und 7. März in Rottweil und Oberndorf startete nun die geplante Kampagne der Friedensbewegung die sich an erster stelle gegen den Waffenproduzenten und Waffenexporteur Heckler & Koch und sowohl als auch an die Adresse der Bundesregierung und deren Rüstungsexportpolitik richten soll.
Seit 60 Jahren exportiert das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch den Tod in alle Welt, so die Friedensaktivisten. In einer Presseerklärung vom 3. März anläßlich des startes der Kampagne heißt es: Mit einer ganzjährigen Informations- und Aktionskampagne wollen die Friedensaktivisten darüber aufklären, „dass Heckler & Koch mit Direktexporten und Lizenzvergaben für Sturmgewehre und Maschinenpistolen Öl ins Feuer bestehender Konflikte gießt“, beschreibt Paul Russmann von Ohne Rüstung Leben ein Ziel der Aktionen.
Und weiter:
Ein wichtiges Ziel der Kampagne ist auch der Stopp von Waffenexporten. „Wenn man bedenkt, dass in Krisen- und Kriegsgebieten durchschnittlich alle 14 Minuten ein Mensch durch eine Kugel aus dem Lauf einer Heckler-Waffe stirbt, kann man nicht ruhigen Gewissens das 60-jährige Firmenjubiläum feiern!“ meint Jürgen Grässlin, Bundesssprecher der Deutschen Friedensgesellschaft DFG-VK.( Quelle: http://www.rib-ev.de/ )
„Alle 14 Minuten stirbt ein Mensch durch H&K-Waffe“ so auch die Überschrift eines Artikels der Tageszeitung Junge Welt ( http://www.jungewelt.de/2009/03-06/005.php ) vom 6. März:
Ein Gespräch mit Jürgen Grässlin
(…)Im Vergleich zu Rüstungsgiganten wie EADS oder Rheinmetall erscheint die Gewehrfirma Heckler & Koch (H&K) eher wie ein David unter den Rüstungsschmieden.
H&K ist Europas führender Pistolen- und Gewehrproduzent. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind bis heute mit H&K-Waffen erschossen, weitaus mehr verwundet und verstümmelt worden. Durchschnittlich alle 14 Minuten stirbt ein Mensch durch eine Kugel aus dem Lauf einer H&K-Waffe. In diesem Sinne könnte man vom tödlichsten deutschen Unternehmen sprechen.
Weiterlesen: http://www.jungewelt.de/2009/03-06/005.php
Abschließend folgt die Dokumentation des Redebeitrags von Jürgen Grässlin anlässlich der Demonstration „Maskerade des Todes“ in Oberndorf am 7. März 2009 Quelle: http://www.rib-ev.de/ :
Maskerade des Todes
Am 28. Dezember 1949 gründeten drei Ingenieure der Oberndorfer Waffenfirma Mauser – Heckler, Koch und Seidel – das neue Unternehmen Heckler & Koch. Bereits im Jahr 1951 erfolgte die Vorführung des ersten Prototyps für das spätere G3-Gewehr vor dem spanischen Diktator Francisco Franco. Im Juli 1955 begann Serienfertigung von 5000 Sturmgewehren für die spanischen Streitkräfte. Angesichts der schrecklichen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs galt im Nachkriegsdeutschland zu Recht ein Waffenproduktionsverbot. Anfangs entwickelte die Firma Heckler & Koch zivile Produkte – und begann dennoch schnellstmöglich wieder mit der Waffenproduktion.
Die Gründung von H&K im Jahr 1949, die Umstellung von der zivilen auf die militärische Fertigung und die Rüstungszusammenarbeit mit dem diktatorischen Franco-Regime sind kein Grund zum Feiern!
Im Jahr 1952 erfolgte die Verlagerung der Firmenzentrale aus dem engen Neckartal in den oberhalb gelegenen Stadtteil Oberndorf-Lindenhof, die frühere Adolf-Hitler-Siedlung. 1958 erwarb der Bund die G3-Lizenz. In den Folgejahren wurde das Sturmgewehr zur Standardwaffe der Bundeswehr.
In einer CDU/CSU-SPD-FDP-Allparteienkoalition vergaben die Bundesregierungen in den Sechziger und Siebziger Jahren fünfzehn G3-Lizenzen zum Nachbau des Schnellfeuergewehrs an Portugal (1961), Pakistan (1963), Schweden (1964), Norwegen (1967), Iran (1967), Türkei (1967), Saudi-Arabien (1969), Frankreich (1970), Thailand (1971), Brasilien (ca. 1976), Griechenland (1977) und Mexiko (1979). Weitere G3-Lizenzen erhielten Myanmar/Birma, die Philippinen und Malaysia. Kein anderes Gewehr kann derart viele Lizenzvergaben verzeichnen. Damit tragen die Bundesregierungen, gleich welcher parteipolitischen Couleur, massiv Mitschuld an der Globalisierung des Handfeuerwaffenmarktes.
Die Vergabe der G3-Gewehrlizenzen und die damit verbundene unkontrollierte Verbreitung von H&K-Waffen auf den Schlachtfeldern der Welt sind kein Grund zum Feiern!
Nach Untersuchungen des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes sterben rund 63 Prozent – also zwei von drei Menschen – bei Kriegen und Bürgerkriegen durch Gewehrkugeln. Heckler & Koch ist Europas größter Gewehrproduzent. Ganz legal, mit Genehmigung der jeweils amtierenden Bundesregierung, belieferte Heckler & Koch mindestens 88 Staaten mit Waffen. Damit ist Heckler & Koch deutscher Rüstungsexportmeister. Durch Direktexporte, Lizenzfabrikationen sind H&K-Waffen – abgesehen von der Antarktis – auf allen Kontinenten im tödlichen Einsatz. Weltweit wurden und werden mit rund 11 Millionen Heckler & Koch-Waffen Menschen bei Kriegen und Bürgerkriegen getötet.
Unerbittlich tickt die Heckler-Uhr. Seit rund fünfzig Jahren stirbt durchschnittlich alle 14 Minuten ein Mensch durch eine Kugel aus einer H&K-Waffe, die von Heckler & Koch entwickelt worden ist. Seit Gründung der Firma Heckler & Koch im Dezember 1949 wurden mehr als 1,5 Millionen Menschen mit H&K-Gewehren erschossen. Wer sich diese Opferzahlen vor Augen hält, kann zu dem Schluss kommen, dass Heckler & Koch die tödlichste deutsche Firma der Nachkriegsgeschichte ist.
Das weltweite Massenmorden mit H&K-Waffen ist kein Grund zum Feiern!
Seit einem halben Jahrhundert sind Heckler & Koch-Waffen auf den Schlachtfeldern in aller Welt im Einsatz. Schuld daran sind neben den Direktexporten auch die Lizenzvergaben an NATO-Staaten.
So erhielten Portugal, Griechenland und die Türkei jeweils eine G3- und eine MP5-Lizenz, Frankreich und Norwegen eine G3-Lizenz und Großbritannien eine MP5-Lizenz, wobei in England auch G3-Gewehre gefertigt wurden. Griechenland und Portugal erhielten zudem eine Lizenz für das Maschinengewehr HK21, Griechenland zudem eine Lizenz für die Pistole P7, Italien eine Lizenz für das Sturmgewehr G41, Griechenland eine Lizenz für die Maschinenpistole HK53, Italien und die Türkei Lizenzen für den Granatwerfer 40mm, und Spanien die Nachbaurechte für das G36-Gewehr. Im Zeitraum zwischen 2015 und 2018 wird der Abschluss der Produktion von mindestens 500.000 HK33-Lizenzgewehren als G3-Nachfolger bei MKEK in der Türkei erwartet.
Mehrere der NATO-Staaten setzten H&K-Waffen bei Kriegen ein oder exportierten H&K-Lizenzwaffen an andere Staaten. Beispielsweise führte Portugal mit den G3-Lizenzgewehren Kolonialkriege in Afrika, der französische Lizenznehmer exportierte Anfang der 70-ger G3 an das diktatorische Regime von Idi Amin in Uganda.
Mitte 2006 schloss H&K den Modernisierungsauftrag für 350.000 SA-80-Gewehre der britischen Armee ab, die diese Waffen u.a. im Irakkrieg einsetzte. Auch Spezialeinheiten der US-Army kämpfen mit H&K-Waffen im völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak. Gerade bei NATO-Spezialeinheiten finden sich H&K-Waffen an vorderster Front. Auch das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr, zu deren Einsatzschwerpunkten Aufklärung, Terrorismusbekämpfung, Kommandokriegsführung zählen, setzt vornehmlich auf H&K-Waffen bei seinen Kampfeinsätzen – auch in Afghanistan.
Der Einsatz von H&K-Waffen bei Kriegen und Menschenrechtsverletzungen durch die NATO ist kein Grund zum Feiern!
Der NATO-Partner Türkei erhielt 1967 eine Lizenz für das Schnellfeuergewehr G3 und 1983 für die Maschinenpistole MP5. Die MP5 wurde unter Bruch der von der Bundesregierung verabschiedeten »Politischen Grundsätze zum Rüstungsexport« rechtswidrig an andere Staaten reexportiert. Vornehmlich mit den bei der türkischen Firma MKEK in Kirikkale in Lizenz gefertigten H&K-Waffen führte die türkische Armee ihren Bürgerkrieg gegen Kurdinnen und Kurden im Südosten des Landes.
Laut Aussagen türkischer Soldaten wurden zwischen 1985 und 1999 rund 40.000 Kurden getötet, mehr als 80 Prozent mit H&K-Waffen. Die türkische Regierung bestätigte die massenhafte Tötung von PKK-Mitgliedern. In Wahrheit waren die meisten der Getöteten unschuldige Kinder, Frauen und alte Männer.
Als eine der letzten Amtshandlungen vergab die Bundesregierung unter Helmut Kohl 1998 eine Lizenz für die HK33 an die Türkei. Die Nachfolgeregierung von Gerhard Schröder und Joschka Fischer genehmigte die entsprechende Munitionslizenz. Bis 2018 wird der Abschluss der Produktion von mindestens 500.000 HK33-Lizenzgewehren bei MKEK in der Türkei erwartet.
Bis heute werden Kurdinnen und Kurden mit H&K-Waffen unterdrückt und ihrer Identität beraubt. Das ist kein Grund zum Feiern!
Unzählige Menschen führen als körperlich Verstümmelte oder psychisch Traumatisierte ein vergleichsweise menschenunwürdiges Leben. Vielen von denen, die den Beschuss mit H&K-Waffen überlebt haben, fehlen Gliedmaßen oder sie tragen Kugeln bzw. deren Splitter im Körper, die man durch ihre Haut ertasten kann.
Die immense Zahl der H&K-Opfer macht deutlich: Heckler & Koch ist das Unternehmen, dessen Produkte seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland die meisten Verstümmelten und Toten zur Folge hatten.
Doch die meisten Opfer leben auf anderen Kontinenten und bleiben unbekannt. Ein Schuss aus einem H&K-Waffe reicht aus, einen Menschen von einer Sekunde zu andern zeitlebens zum Krüppel zu machen. Die meisten Opfer können aufgrund ihrer Traumatisierung nicht einmal sagen, mit welcher Waffe sie verstümmelt wurden.
Das Schicksal des somaliländischen Teehausbesitzers Abdirahman Dahir Mohamed bildet die Ausnahme: Er ist im Besitz des G3-Gewehres, mit der ihm das rechte Bein abgeschossen worden ist. Wegen des daraus resultierenden Knochenfraßes muss sein Oberschenkenknochen immer weiter abgesägt werden.
An Absurdität schwerlich überbietbar ist die Tatsache, dass Heckler & Koch im Jahr 2000 den »Deutschen Arbeitsplatzinvestor-Preis« in der Kategorie »Schwerbehinderte« zugesprochen bekommen hat.
Unzählige Menschen wurden durch den Einsatz von H&K-Waffen zu Kriegskrüppeln und Schwerstbehinderten. Das ist kein Grund zum Feiern!
Auch Guerillaeinheiten schätzen die Treffgenauigkeit der H&K-Waffen, wie der Sendero Luminoso in Peru, die FARC in Kolumbien und die PKK in Türkisch-Kurdistan. Das Logo der RAF zierte eine MP5-Maschinenpistole. Im März 2003 wurde der serbische Ministerpräsident Goran Djindjic mit einem G3-Scharfschützengewehr erschossen.
Fotografien belegen den Einsatz von MP5-Maschinenpistolen bei Hamas-Kämpfern im Gaza-Streifen Anfang 2009 und bei Menschenrechtsverletzungen seitens der Taliban im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan. Heckler & Koch hat in Söldnermagazinen wie Soldier of Fortune für seine Waffen geworben. In aller Welt schießen Söldner mit H&K-Waffen. Die US-Söldnerfirma Blackwater setzte G36-Gewehre im Irak und gleichsam in Afghanistan ein. Vielzählige weitere Beispiele ließen sich aufführen.
Der weltweite Gebrauch von H&K-Waffen in den Händen von Söldnern und Terroristen ist kein Grund zum Feiern!
Angesichts von derzeit rund 40 stattfindenden Kriege und Bürgerkriege hat Heckler & Koch – selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise – scheinbar keine Absatzprobleme. Der Jahresumsatz von H&K beträgt etwa 150 Millionen Euro, die erteilten und erwarteten Aufträge summieren sich auf rund 700 Millionen Euro. Selbst in den für das Jahr 2011 anstehenden Rückzahlungen einer Anleihe von über 120 Millionen Euro sieht H&K-Chef Andreas Heeschen »daher kein großes Problem«.
Wenn die Bundesregierung den H&K-Exportwünschen keinen Riegel vorschiebt, werden die G3 und MP5 weltweit durch die noch treffsichereren G36 und P7 ersetzt. Spanien hat bereits eine Lizenz für das noch treffsichere G36-Gewehr erhalten. Sicherheitskräfte, Polizei- und Militäreinheiten in mehr als 30 Staaten schießen bereits heute mit dem neuen Sturmgewehr G36. Angesichts der Genehmigungspolitik der Bundesregierung steht zu befürchten, dass dieses Gewehr ein Exportschlager wird – wohlgemerkt in den Händen von NATO-Soldaten und Polizeien – und durch Beutewaffen bei Guerillaeinheiten und Terroristen.
Die neue Waffengeneration ist erheblich leichter, was sie auch für Kindersoldaten »interessant« macht. Das G36 könnte zur Killerwaffe Nr. 1 auf den Schlachtfeldern der Welt avancieren.
G36-Gewehre im Einsatz auf den Schlachtfeldern der Welt sind kein Grund zum Feiern!
Bei ihrem 16. Gewerkschaftstag forderte die IG-Metall 1989 »alle Gliederungen der Organisation auf, die Initiativen zur Rüstungskonversion in den Betrieben und Regionen auch weiterhin zu unterstützen… Die Sicherung oder Schaffung von Arbeitsplätzen darf nicht als Argument gegen Abrüstung bzw. für mehr Rüstungsproduktion und Waffenexport missbraucht werden.« In Oberndorf scheint die IG Metall diese Aufforderung schlichtweg zu ignorieren.
Doch unser Zauberwort heißt noch immer Konversion. Die Umstellung auf eine sinnvolle zivile Fertigung schafft nicht nur neue, sondern auch ethisch und moralisch verantwortbare Arbeitsplätze. Wir strecken jeder und jedem die Hand aus, die sich dem Geschäft mit dem Tod verweigert.
Im Jahr 1990 habe ich der H&K-Pressesprecherin Andrea Franke das Konversionskonzept »Modellregion Oberndorf-Schramberg« vorgelegt – sie hat sich nicht dafür interessiert. Und leider hat sich an der Einstellung der H&K-Geschäftsführung bis zum heutigen Tag daran offenbar nichts geändert.
Heckler & Koch setzt fast ausschließlich auf Waffenproduktion und Rüstungsexporte statt auf Rüstungskonversion. 60 Jahre nach Gründung der Firma Heckler & Koch gibt es keinen einzigen Grund zum Feiern!
Für uns bedeutet das Wissen um die zahllosen Opfer des Einsatzes von H&K-Waffen den Auftrag, gerade in diesem Jahr engagiert gegen die Rüstungsexporte von Heckler & Koch einzutreten. Wir bieten der H&K-Geschäftsführung, den Mitarbeiter/innen von H&K, der IG Metall, der baden-württembergischen Landesregierung und auch der für die Rüstungsexportpolitik verantwortlichen Bundesregierung Gespräche über die Erarbeitung von Konversionsprogrammen zur Umstellung auf eine sinnvolle zivile Fertigung an.
Wird dieses Angebot ausgeschlagen, dann bleibt nur eines:
Wir fordern die Schließung von Heckler & Koch!
Weitere Informationen:
http://www.juergengraesslin.com/
Uranmunition-Verhamlosung und Geheimhaltung
1. März 2009
„Die eigentliche Katastrophe der Erfindung und des Einsatzes dieser „kleinen“, unscheinbaren Nuklearwaffen der „depleted uranium“(DU)-Waffengattung ist derweitgehende Mangel ihrer angemessenen öffentlichen und offiziellenWahrnehmung.“
So der „Arbeitskreis Friedenspolitik“ im Ressüme zu ihrer Recherche über die Gefahren und Folgen und die „hohe“ militärische Bedeutung, sowie den Versuchen der Verhamlosung und Geheimhaltung seitens der offiziellen Verantwortlichen des „schleichenden Massenmord mit Uranwaffen“.
„Die tatsächlich massenmord-ähnlichen Auswirkungen in den betroffenen Gebieten sind ebenso nachweisbar wie die bisherigen Versuche der Geheimhaltung oder Verharmlosung seitens der offiziell Verantwortlichen.“Wolfgang Lieb von den NachDenkSeiten
Weil sich nicht ausschließen lässt, „dass stichhaltige Informationen bislang nicht in ausreichendem Maße an die Öffentlichkeit gedrungen sind, um angemessen diskutiert zu werden“ machen die NachDenkSeiten auf die Recherche des „Arbeitskreises für Friedenspolitik“ aufmerksam und stellen diese in PDF-Form zum Downloaden und Lesen zur Verfügung.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3799
Mit der folgenden Dokumentation des gesamten Textes „Kriegführung mit Urangeschossen: Uranstaub – Schleichender Massenmord“ möchte ich die Bemühungen des „Arbeitskreis Friedenspolitik“ unterztützen, die Maßnahmen Ingang bringen und wesentlich intensivieren möchte, die zur Bekämpfung dieser Waffensysteme und ihrer Annwendung getroffen werden müssen.
„Eine besondere, nicht zuletzt völkerrechts-gestützte Kampagne der Friedensbewegung und aller verantwortungsbewussten friedenspolitisch aktiven politischen Gruppierungen müsste auf das absolute Verbot und die Kriminalisierung dieser Waffen hinzielen.“
Kriegführung mit Urangeschossen: Uranstaub – Schleichender Massenmord
von Brigitte Runge und Fritz Vilmar 5. erweiterte Auflage Dezember 2007
Einleitung und Zusammenfassung
Mindestens 18 Staaten der Welt besitzen mittlerweile in ihren Militärdepots
außerordentlich wirksame panzer- und bunkerbrechende Munition, die als
„Nebenprodukt“ in Kriegsgebieten und weit darüber hinaus schleichenden
Massenmord bewirkt durch massenhaft entstehenden radioaktiven Staub. Das
einmal eingeatmete Uranoxyd wird zur chronischen Quelle einer Uranschwermetallund
einer radioaktiven Kontakt- und Strahlungsvergiftung im Körper .Die
Nanopartikel1 aus Uranoxyd, die in dem Metallstaub entstehen, überwinden
eingeatmet die Blut-Luft-Schranke, dringen in Körperzellen ein und geben eine
maximale Strahlendosis an das Gewebe ab.
Wir dokumentieren im Folgenden die hohe militärische Bedeutung, die tatsächlich
massenmord-ähnlichen Auswirkungen in den betroffenenen Gebieten (und weit
darüber hinaus) sowie die bisherigen Versuche der Geheimhaltung oder
Verharmlosung seitens der offiziell Verantwortlichen. (Quellennachweise am Schluß
des Textes.)
Die Initiative zu dieser Materialsammlung und Veröffentlichung verdanken wir den
bahnbrechenden Publikationen von Prof. Siegwart-Horst Günther, dessen Vortrag wir
vor einiger Zeit veröffentlichten und der in mehreren tausend Sonderdrucken
inzwischen in der Friedensbewegung verbreitet worden ist. Wir ergänzen seine
Ausführungen durch eine Reihe von Einzelberichten, die sich zusammenfügen zu
einem erschreckenden, weithin verschwiegenen Kriegsszenario. Wir nennen es
schleichenden Massenmord mit Uranwaffen.
Die Bedeutung dieser Materialsammlung und Kommentierung liegt genau darin: dass
hier zum ersten Mal in der friedenswissenschaftlichen Diskussion die Quantität der
Berichte über den Krieg mit Uranwaffen umschlägt in eine neue bisher nicht zum
vollen Bewusstsein gebrachte Qualität.
Unsere Dokumentation gliedert sich in folgende 6 Teile:
1. eine genaue Beschreibung dieser neuen Uranwaffen – und
2. der von ihnen ausgehenden zentralen Gefahr: der Freisetzung eines
hochtoxischen radioaktiven Feinstaubes;
3. wir geben Berichte von den furchtbaren Schäden, die durch diesen Uranstaub in
Körpern angerichtet werden und von den Kriegsgebieten, in denen sich diese
grauenvollen Szenarien eines regionalen schleichenden Massenmordes
abspielen. In diesen Abschnitt gehen die zentralen Partien des Berichtes von
Siegwart-Horst Günther mit ein, der als erster die Schreckensszenarien in den
bekannten Kriegsgebieten persönlich erforscht und dargestellt hat.
4. Wir dokumentieren die Strategien der Verheimlichung oder Verharmlosung dieser
neuen Waffen. Dabei geht es auch um das Totschweigen durch Mundtot-Machen
der Zeugen und kritischen Forscher. Dies ging im Falle von Siegwart–Horst
Günther so weit, dass er zweimal das Ziel von Mordanschlägen geworden ist.
5. Wir dokumentieren insbesondere das Verhalten der offiziellen deutschen Stellen
zur Uranmunition und geben
6. die Maßnahmen wieder, die zur Bekämpfung dieser Waffensysteme und ihrer
Annwendung getroffen werden müssen.
Als Resümee unserer Recherchen halten wir fest:
• Die eigentliche Katastrophe der Erfindung und des Einsatzes dieser „kleinen“,
unscheinbaren Nuklearwaffen der „depleted uranium“(DU)-Waffengattung ist der
weitgehende Mangel ihrer angemessenen öffentlichen und offiziellen
Wahrnehmung. Weder die Soldaten noch die Zivilbevölkerung in den betroffenen
Bereichen bzw. Waffengattungen erhielten eine auch nur einigermaßen
realistische Information über die hohe, tödliche Gefährlichkeit des radioaktiven
Staubes, der durch die Explosion dieser Geschosse freigesetzt wird. (Ein später
mit der Folgenabschätzung beauftragter amerkanischer Offizier berichtet, dass er
als „Souvenir“ ein Erste-Hilfe-Päckchen aus einem irakischen Panzerwagen
jahrelang bei sich getragen habe…)
• Die internationale Friedensbewegung hat, von wenigen Ausnahmen abgesehen,
angesichts dieser tödlichen Weltbedrohung versagt: obwohl die heimtückischen
kleinen Uranwaffen inzwischen seit anderthalb Jahrzehnten in den Militärdepots
existieren und in Kriegen (Kosovo, wahrscheinlich Afghanistan, Kuwait, Irak,
wahrscheinlich Libanon) mit verheerenden Folgen „erprobt“ wurden. Wie in
unserem abschließenden Teil ausgeführt, sind Maßnahmen Ingang zu bringen
und wesentlich zu intensivieren, die die Friedensbewegung in vorderster Reihe
propagieren müsste, insbesondere eine Kampagne weltweiter Information auf
wissenschaftlicher und allgemeinpublizistischer Ebene. Ferner die Organisation
einer internationalen Forschungskampagne, die genauere Kenntnisse über die
Folgen der Uranstaub-Infektion und mögliche Therapien zum Ziele haben müsste.
Nicht zuletzt aber müsste die Friedensbewegung soweit wie möglich, durchaus
auch „subversiv“, Informationen über die Lagerung von DU-Munition und
stattfindende Manöver/Übungen mit dieser Munition veröffentlichen.
• Eine besondere, nicht zuletzt völkerrechts-gestützte Kampagne der
Friedensbewegung und aller verantwortungsbewussten friedenspolitisch aktiven
politischen Gruppierungen müsste auf das absolute Verbot und die
Kriminalisierung dieser Waffen hinzielen.
Brigitte Runge und Fritz Vilmar
Arbeitskreis für Friedenspolitik, Berlin 2007
1. Die Urangeschosse
Zusammensetzung, „Beliebtheit“, Wirkung, Hersteller,
Haupteinsatzgebiete
Was ist abgereichertes Uran und wie wird es in Waffen verwendet?
Quelle: ICBUW, Internationale Koalition für ein Verbot von Atomwaffen 2
Abgereichertes Uran (depleted uranium, DU) ist Atommüll. Uran tritt naturgemäß in
Form von drei verschiedenen Isotopen auf, U 234, U 235 und U 238. Isotope sind
Atome desselben Elements, die dieselbe Anzahl an Protonen haben, aber sich in der
Anzahl der Neutronen unterscheiden. Das bedeutet, dass sie chemisch gesehen
gleich reagieren, aber wegen der unterschiedlichen Isotope unterschiedliche Mengen
und Arten von Strahlung freisetzen.
Die radioaktiven Eigenschaften von DU, das hauptsächlich aus Uran 238 besteht,
unterscheiden sich von denen des Uran 235. Anders als Uran 238 ist Uran 235
spaltbar. Das heißt, es ist so instabil, dass man durch Beschuss von Uran 235 mit
Neutronen eine Serie von atomaren Reaktionen erzeugen kann, die enorme Mengen
an Energie freisetzt. Das ist die Grundlage der Nutzung der Atomkraft in
Atombomben. Vor seiner Verwendung muss U 235 aber angereichert werden, da es
nur einen kleinen Anteil des natürlich vorkommenden Urans – um die 0,7% –
ausmacht. U 238 macht mehr als 99% des natürlichen Urans aus und ist weniger
radioaktiv. Nachdem dem natürlichen Uran der größte Teil des U 235 entzogen
wurde, nennt man es «abgereichertes Uran», das heißt Uran, welchem das Isotop U
235 entzogen ist. Jedes Kilogramm an angereichertem Uran, das in einem
Atomreaktor eingesetzt werden kann, hinterlässt 11 Kilogramm DU.
Nicht ganz so groß – nämlich 7:1 statt 11:1 – erscheint die Masse des Atommülls im
Verhältnis zum gewonnenen „angereicherten“ Uran nach den Recherchen Sirko
Salkas 3: „Ein 1.300 Megawatt Atomreaktor zum Beispiel verbraucht pro Jahr 30
Tonnen angereicherten Urans, die aus insgesamt 240 Tonnen natürlichem Uran
heraus zentrifugiert werden. Übrig bleibt ein Abfall von 210 Tonnen
abgereicherten Urans, das zu 99,8 Prozent aus Uran 238 und noch zu 0,2 Prozent
aus Uran 235 besteht. Ralf Cüppers von der Deutschen Friedensgesellschaft hat in
seiner Broschüre „Uran-Geschosse“4 vorgerechnet, dass abgereichertes Uran nur
unwesentlich weniger radioaktiv ist als natürliches Uran und nur unwesentlich mehr
radioaktiv als reines Uran 238. Anstatt nun aber den radioaktiven Sondermüll
entsprechend zu entsorgen, wird er in Amerika der US-amerikanischen
Rüstungsindustrie kostenlos zur Verfügung gestellt, wodurch doppelt profitiert
wird.“5
Die „Beliebtheit“ von Uranmunition
Abgereichertes Uran selbst ist ein chemisch hochgiftiges und radioaktives
Material, welches auf Grund seiner hohen Dichte in panzerbrechender Munition
eingesetzt wird. Es ist 1,7mal dichter als Blei, Das gibt den Urangeschossen eine erhöhte Reichweite und Durchschlagskraft. Sie gehören zu einer Kategorie
von Waffen mit dem Namen Wuchtgeschosse (kinetic energy penetrators). Den Teil
der Waffe, der aus Uran besteht, nennt man den Penetrator: Das ist ein langer Pfeil,
der in den größten Ausführungen mehr als vier Kilogramm wiegt (vgl. Abb. Titelseite).
Es ist also weder nur eine Spitze noch nur eine Außenhülle. Das Geschoss ist
gewöhnlich eine Legierung aus Uran und einer kleinen Menge eines anderen Metalls
wie Titan oder Molybdän. Diese verleihen ihm zusätzliche Festigkeit und
Widerstandsfähigkeit gegen Korrosion. (Quelle: ICBUW, a. a. O., vgl. Fn. 2).
Die Biologin und Krebsexpertin Rosalie Bertell 6stellt dazu fest: „Bei dem Aufschlag
auf ein hartes Ziel entzündet sich Uran. Die Temperatur des entstehenden
Metallrauches durch DU liegt zwischen 3000° und 6000 ° C.( im Gegensatz zu einer
im Irak durchschnittlichen Umgebungstemperatur von 22° bis 45 ° C oder 575 ° C
Flammentemperatur durch TNT in anderen Kriegen). Bei dieser hohen Temperatur
nimmt das Uranoxid Keramikeigenschaften an, und es wird unlöslich in
Körperflüssigkeiten. Aus diesem Grund wird das einmal eingeatmete Uranoxid
zur chronischen Quelle einer Uranschwermetall- und einer radioaktiven
Kontaktstrahlungsvergiftung im Körper. […] Die Nanopartikel aus Uranoxid, die
in dem Metallrauch entstehen, können eingeatmet die Blut-Luft-Schranke
überwinden, in Körperzellen eindringen und eine maximale Strahlendosis an
das Gewebe abgeben (Kontaktdosis durch einen Partikel mit maximaler
Oberfläche im Verhältnis zum Volumen, mit wenig Selbstschutz), und so
werden freie Radikale und oxidativer Stress in den Zellen erzeugt.“
Hersteller
Zwei US-Unternehmen stellen großkalibrige Panzergeschosse aus abgereichertem
Uran her: Alliant Techsystems (120 mm-Granaten) und die früheren Primex
Technologies, jetzt General Dynamics Ordnance and Tactical Systems (105 mm- und
120 mm-Granaten). Drei weitere Unternehmen – in Frankreich, der ehemaligen
Sowjetunion und Pakistan – stellen ebenfalls großkalibrige Panzergeschosse her.
Alliant Techsystems, der größte Hersteller von Munition in den USA, produziert auch
kleinkalibrige Geschosse (25 mm, 30 mm) für Geschütze in amerikanischen
Flugzeugen und Kampffahrzeugen. Die Firma BAE Systems mit Sitz in
Großbritannien fertigte bis 2003 120 mm-Panzergranaten für die britischen
Streitkräfte an. Sie stellten die Produktion aus «Umweltgründen» ein.7 Es besteht der
Verdacht, dass die israelische Militärindustrie Uran-Panzergranaten für die
israelische Armee produziert haben könnte.
Neben der Verwendung für panzerbrechende Geschosse wird abgereichertes Uran
auch als Panzerung in amerikanischen M1A1- und M1A2-Kampfpanzern eingesetzt
und in geringen Mengen auch in einigen Arten von Landminen (M86 PDM und
ADAM); beide Arten enthalten 0,101 Gramm abgereichertes Uran. 432 ADAMAntipersonenlandminen
wurden auf den kuwaitischen Schlachtfeldern während des
Golf-Krieges 1991 eingesetzt. Sowohl die M86PDM als auch die ADAM-Minen sind in
US-amerikanischen Lagern vorhanden. (Quelle: ICBUW, a. a. O., vgl. Fn. 2)
Wo wurde Uranmunition eingesetzt und wer setzt sie ein?
Angesichts der Befürchtungen um die Folgekosten und die Gesundheit der
Bevölkerung haben Regierungen anfangs oft den Einsatz von Uranmunition
abgestritten. Es ist heute klar, dass Uranmunition von den USA und
Großbritannien in großem Umfang im Golf-Krieg 1991 eingesetzt wurde, dann
in Bosnien, Serbien und im Kosovo, und erneut durch die Amerikaner und die
Briten im Irak-Krieg 2003. Es besteht der Verdacht, dass die USA Uranmunition
2001 auch in Afghanistan eingesetzt haben, obgleich sowohl die Regierungen
der USA als auch Großbritanniens den Einsatz von Uranmunition dort
bestritten haben. Transportdokumente, die durchgesickert sind, legen
allerdings nahe, dass die US-Streitkräfte in Afghanistan Uranwaffen hatten,
aber es ist unklar, ob diese zum Einsatz kamen.8 (Vgl. Kapitel 3: Asaf
Durakovic „Radioaktive Verseuchung der Bevölkerung Afghanistans“).
Es sind mindestens 18 Länder, von denen angenommen wird, dass sie in ihren
Arsenalen Waffensysteme mit Uran haben. Dazu zählen: Großbritannien, die USA,
Frankreich, Russland, Griechenland, Türkei, Israel, Saudi- Arabien, Bahrain,
Ägypten, Kuwait, Pakistan, Thailand, China, Indien und Taiwan. Vielen von ihnen
wurde die Uranmunition von den USA verkauft, während man von anderen (dazu
zählen Frankreich, Russland, Pakistan und Indien) annimmt, dass sie sie unabhängig
entwickelt haben. (Quelle: ICBUW, a. a. O., vgl. Fn. 2)
2. Uranoxydstaub – schleichender
Massenmord durch neue Uranwaffen
Warum ist Uranoxydstaub ein Massenmord-Gift ?
Zu dem Uranoxidstaub, der entsteht, wenn die Uranmunition verbrennt, existiert
nichts Vergleichbares in der Natur oder in der Geschichte. Dieser hochgiftige und
radioaktive Staub besteht aus zwei Oxiden: Das eine ist unlöslich, das andere
schwerlöslich. Die Streuung der Partikelgrößen beinhaltet Partikel im
Submikronbereich, die leicht eingeatmet und in den Lungen zurückbehalten werden.
Über die Lungen werden die Uranverbindungen aufgenommen und in den
Lymphknoten, den Knochen, dem Gehirn und den Hoden abgelagert. Feste Ziele, die
von Urangeschossen getroffen wurden, sind von diesem Staub umgeben;
Untersuchungen beweisen, dass er viele Kilometer weitergetragen wird, wenn er
wieder aufgewirbelt wird, was in einem trockenen Klima wahrscheinlich ist (vgl. dazu
Kapitel 3: Chris Busky „Uranstaub aus dem Irak weht bis nach England“).
Der Staub wird dann gleichermaßen von Zivilpersonen und Militär eingeatmet oder
über die Nahrung aufgenommen. Man geht davon aus, dass die Uranmunition die
Ursache für einen massiven Anstieg der Anzahl an Neuerkrankungen mit
Karzinomen – wie Brustkrebs oder Lymphomen – in Gebieten des Irak nach 1991
und 2003 ist. Die Uranbelastung steht auch in Verbindung mit einem Anstieg an
Geburtsfehlern in Gegenden, die an die Schlachtfelder des Golf-Kriegs angrenzen.
Bei Aufschlägen auf weichem Untergrund – typisch für Luftangriffe, bei denen die
meisten Geschosse ihre Ziele verfehlen – bleiben die Geschosse teilweise intakt. Auf
dem Balkan wurden mehr als 31 000 30 mm- Geschosse abgefeuert; die UNEP
(Umweltprogramm der Vereinten Nationen) berichtete, dass diese rostenden
Geschosse voraussichtlich das Grundwasser und die Trinkwasservorräte
kontaminieren werden und beseitigt werden müssen.9
Während wir eine ungefähre10 Vorstellung davon haben, wieviel Uranmunition auf
dem Balkan (14 Tonnen) und im Golf-Krieg 1991 (etwa 320 Tonnen) eingesetzt
wurde, verfügen wir über wenige Daten, was das Ausmaß ihres Einsatzes in der
Folge der Invasion des Iraks in 2003 betrifft. Klar ist, dass weitaus mehr in
städtischen Gebieten eingesetzt wurde, als Resultat einer vermehrt asymmetrischen
Kriegsführung und einer zunehmend ungehemmten Einstellung in Bezug auf den
Einsatz von Uranwaffen. Die USA haben die Herausgabe von Daten über die
Einsatzorte ihrer Uranwaffen an die UNEP durchweg verweigert, und die instabile
Lage nach dem offiziellen Kriegsende hat eine Beurteilung des wahren Ausmaßes
der Kontamination nahezu unmöglich gemacht. (Quelle: ICBUW, a. a. O., vgl. Fn. 2)
Gesundheitsschäden durch abgereichertes Uran
Auszug aus einer wissenschaftlichen Arbeit 11
Man kann die durch Uranmunition bzw. Uranstaub verursachten
Gesundheitsschäden nach folgenden drei Aspekten klassifizieren: Der direkte
Hautkontakt mit abgereichertem Uran verursacht Erkrankungen an der
Hautoberfläche (I). Über Nahrung und Atmung kann feiner Uranstaub vom Körper
aufgenommen werden. Uran ist wie alle Schwermetalle hochgiftig, deshalb betrifft der
zweite Aspekt die chemisch-toxischen Wirkungen von Uran (II). Nachhaltig schädigend und hoch wahrscheinlich ist, drittens, eine allmählich einsetzende
chronische Uranvergiftung, hervorgerufen durch radiotoxische Wirkungen (III).
Im Golfkrieg 1991 wurden erstmalig Uran-Geschosse eingesetzt, mindestens 350
Tonnen. Nur ein Bruchteil der Granaten und Projektile, abgefeuert im wüstenartigen
Grenzgebiet zu Kuwait, kann wieder aufgefunden werden. Der deutsche Mediziner
Professor Siegwart-Horst Günther, der im Irak vor allem kranke Kinder behandelte,
berichtet von ausgehungerten, verschmutzten Kindern, die mit Uran-Geschossen
spielten, welche angemalt waren als Puppen.
„Nach inzwischen vorgenommenen Untersuchungen beträgt die Dosisleistung des
von mir aufgefundenen Geschosses an der Oberfläche 11 mikroSv pro Stunde. Die
erträgliche Jahresdosis wird mit 300 mirkoSv angegeben. 300 : 11 = 27,2 Stunden;
die Jahresdosis von einem Geschoss wird demnach in reichlich einem Tag
erreicht.“12
Zu (I):
Beim direkten Hautkontakt mit abgereichertem Uran entstehen schlecht heilende
Wunden mit schmerzlosen Geschwüren, die an der Hautoberfläche Zellen zerstören,
auch die schmerzempfindlichen und -leitenden Sinnes- und Nervenzellen.13
Zu (II):
Uranoxidstaub kann vom menschlichen und tierischen Organismus sowohl über die
Nahrung aufgenommen werden als auch über die Atmungsorgane. Auch hier
entscheidet die Menge, Dauer und Häufigkeit der aufgenommenen Uranpartikel über
die Schwere der Gesundheitsschäden. Während verzehrte Uranpartikel zu 99,5
Prozent über den Darm als Exkremente wieder ausgeschieden werden, gelangen
eingeatmete Staubkörner von der Lunge in die Blutbahn. Dort kann sich ein kleinerer
Teil der Uranpartikel auflösen und kurzfristig verschiedene Organe vergiften,
vergleichbar mit einer Schwermetallvergiftung – allerdings ist es in weitaus
geringeren Dosen hochgefährlich. Die Toxizität der Oxide von schwerem
metallischem Uran ist vergleichbar mit der Giftigkeit von Arsenverbindungen.14
Vergiftet und zerstört werden vor allem die Zellen von Nieren und Leber, was
Funktionsstörungen verursachen kann. Eine sehr hohe Anfangsdosis führt binnen
weniger Tage durch den Ausfall lebensnotwendiger Organe zum Tod.15
„Die geschädigte Leber ist nicht mehr in der Lage, die Eiweißsynthese und den
notwendigen kolloidosmotischen Druck aufrechtzuerhalten, so tritt Wasser in den
Bauchraum aus. Die geschädigten Nieren sind nicht in der Lage, das Wasser
auszuscheiden.“16
Zu (III):
Der in den Körperflüssigkeiten nichtlösliche Teil des Uranoxids lagert sich allmählich
im Skelett ein, von wo eine schwachradioaktive Strahlung ausgeht. Uran 238 ist ein
Alpha-Strahler. Das bedeutet, dass die Strahlung zwar von sehr kurzer Reichweite
ist, aber um das zwanzigfache biologisch schädlicher als die gleiche Menge an Betaoder
Gammastrahlen.17 Besonders gefährdet ist folglich das Knochenmark. Wird
Knochenmark über einen längeren Zeitraum radioaktiv bestrahlt, kann der Patient
unter Blutarmut und Immunschwäche leiden, was sich in der Bildung von bösartigen
Tumoren niederschlägt, insbesondere Leukämie, oder in AIDS-ähnlichen Defekten
des Immunsystems mit vergleichbaren Konsequenzen.
In 1990 warnte die britischen Atomenergiebehörde ihre Regierung in einem Bericht
über die Folgen eines Einsatzes von Uranmunition dahingehend, „dass, wenn im
Falle eines Krieges 50 Tonnen der Substanz in der Golfregion verbleiben würden,
dies zu schätzungsweise 50.000 zusätzlichen Todesfällen durch Krebs innerhalb
eines Jahrzehnts führen würde“.
Der deutsche Professor Siegwart-Horst Günther – dessen Namen die Krankheit trägt,
die aus den beschriebenen Funktionsstörrungen von Nieren und Leber hervorgeht,
der Morbus Günther – ist bei seinen Untersuchungsergebnissen im Irak auf
dieselben Symptome gestoßen, die bei amerikanischen und britischen Veteranen
des Golfskriegs nebst deren Familien später als das „Golfskriegssyndrom“18 viel
publiziert und diskutiert worden sind. Bereits bei Kleinkindern hat Günther den
„Zusammenbruch des Immunsystems mit stark ansteigenden Infektionen“
diagnostiziert, ferner ausgedehnte Herpes- oder Zosterbildungen, diverse Krebssowie
genetisch bedingte Missbildungen. Bei schwangeren Frauen wurde eine
Vielzahl von Aborten oder Frühgeburten registriert.19
Im Golfkrieg 1991 waren 750.000 amerikanische und britische Soldaten eingesetzt.
Mittlerweile (im Jahre 2002, vgl. Fn. 4 ) sind zirka 250.000 Veteranen am
Golfkriegssyndrom erkrankt, etwa 10.000 von ihnen sind verstorben. Zwischen Uran-
Exposition und dem Ausbruch einer Krebserkrankung lagen im Schnitt fünf Jahre.20
„Im Irak werden 250.000 Männer, Frauen und Kinder mit derartigen Symptomen
angegeben, deren Mortalität hoch ist … Eine Studie aus dem Jahre 1993 von drei
amerikanischen Wissenschaftlern soll ergeben haben, dass etwa 50.000 irakische
Kinder bereits in den ersten 8 Monaten nach dem Golfkrieg den Nebenwirkungen der
D.U.-Geschosse erlegen sind.“21
Heimtückisch sind latente radiologische Langzeitwirkungen von Uranvergiftungen
auch dann, wenn die Strahlenexposition nur kurzzeitig, aber intensiv stattgefunden
hat. Insofern sind neben den Kriegsparteien und den Zivilisten auch Journalisten
betroffen oder etwa Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.22 Und ein Ende der
Fahnenstange ist nicht erreicht, denn die schädlichen Langzeitwirkungen der
Bombardierungen sind überhaupt nicht absehbar, Schilddrüsenkrebs beispielsweise
kann 10 bis 40 Jahre nach der Kontamination auftreten, Erbgutschäden wie
Missbildungen noch nach drei, vier Generationen.23 Und die Auswirkungen des
jüngsten Golfkrieges sind in ihrer Grausamkeit ohnehin jenseits jeder
Berechenbarkeit.
ICBUW liefert dazu weitere Einzelheiten:
I. Die Radioaktivität; Chromosomenschäden; Krebsschäden
Die wichtigste Strahlengefährdung durch Uran 238 ist seine Alpha-Strahlung. Wenn
strahlende Partikel eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen werden, ist die
Alpha-Strahlung die schädlichste Form ionisierender Strahlung, die es überhaupt
gibt. Da Uran 238 aber in Thorium und Protactinium zerfällt und bei deren Zerfall
sowohl Beta- als auch Gamma-Strahlung freigesetzt werden, wird die
Strahlenbelastung durch diese weiter erhöht. Darum müssen die Uranpartikel als
eine dynamische Mischung radioaktiver Isotope betrachtet werden.
Innerhalb des menschlichen Körpers ist die Alpha-Strahlung äußerst zerstörerisch.
Man schätzt, dass die Chromosomenschäden durch Alpha-Strahlen 100mal größer
sind, als diejenigen, welche von der entsprechenden Menge anderer Strahlungsarten
verursacht werden. Die schweren, stark geladenen Partikel können Löcher in die
DNA reißen und einen Strom freier Radikaler nach sich ziehen, die die fein
aufeinander abgestimmten zellulären Prozesse massiv stören oder unterbrechen. An
einem einzigen Tag setzt ein Mikrogramm (ein Millionstel eines Gramms!)
abgereichertes Uran nahezu 1000 Alpha-Partikel frei. Jedes Partikel hat eine Energie
von mehr als 4 Millionen Elektronenvolt. Diese wirken direkt auf das Organ oder
Gewebe, in dem sich das Uranteilchen eingelagert hat. Es braucht nur 6 bis 10
Elektronenvolt, um einen DNA- Strang in einer Zelle zu zerbrechen, und der
Wirkungsbereich einer Strahlungsquelle hat einen Radius von 7 bis 20 Zellen.24
Neue Erkenntnisse über Wirkungen von internen Strahlungsquellen verdeutlichen die
Gesundheitsrisiken, wenn ein Organismus innerer Alpha-Strahlung ausgesetzt
wird.25 Dazu gehört der «Bystander»-Effekt, das heißt, dass auch Zellen, die an
diejenigen angrenzen, die von den Alpha-Partikeln getroffen wurden, Zeichen von
Strahlenschäden aufweisen. Auch wird eine erhöhte Instabilität des Erbguts sichtbar,
insofern die Zellnachkommen von strahlengeschädigten Zellen – nicht nur bei hohen
Strahlendosen, sondern bei jedem Dosisniveau – ihrerseits größere Mutationsraten
aufweisen: ein Vorbote für späteres Krebswachstum. Ionisierende Strahlung ist beim
Menschen ein krebsauslösender Faktor unabhängig von der Höhe der Dosis. Es gibt
keine Schwellenwertdosis, und jedes einzelne Alpha-Teilchen kann einen
irreparablen genetischen Schaden hervorrufen.
II.Die chemische Giftigkeit (Nieren, Nerven u. a.)
Im Jahre 1940 begann die Erforschung der chemischen Toxizität von Uran. Seither
hat sich herausgestellt, dass – ebenso wie bei vielen anderen Schwermetallen, z. B.
Blei, Chrom, Nickel und Quecksilber – gerade auch durch den Kontakt mit Uran
Gesundheitsschäden hervorgerufen werden können. Während viele Studien
zunächst nur die Möglichkeit von Nierenschäden untersucht haben, haben seit 1991
– ausgelöst durch die Sorgen wegen der Uranmunition – Dutzende von Beiträgen
andere weit beunruhigendere Gesundheitsschäden aufgezeigt, die durch die
Toxizität der Uranmunition verursacht werden können. Wiederholte Studien an Zellen
und Tieren haben den Nachweis erbracht, dass Uran ein Nierengift, ein Nervengift
und ein Immungift ist sowie Mutationen, Krebs und Missbildungen beim werdenden
Kind hervorrufen kann. Wenn man den Uranstaub, der aus der explosionsartigen
Verbrennung der Munition entsteht, mit dem Uran vergleicht, wie es in der Natur
vorkommt, dann ist der Uranstaub eine konzentrierte Form von Uran, die sehr viel
leichter vom Organismus aufgenommen wird als natürlich vorkommendes Uran. Bei
jüngsten Studien mit Hamstern konnte gezeigt werden, dass sich Uran an die DNAStränge
bindet, wo es durch die Erzeugung freier Radikale oxidative Schäden
verursacht,26 und bei Studien mit Ratten konnte gezeigt werden, dass es die weißen
Blutkörperchen irreparabel schädigt und die Genexpression (Proteinsynthese)
verändert.27
Solche und weitere Befunde legen nahe, dass das nach dem Einsatz von
Uranwaffen zurückbleibende Uran nicht nur hochgiftig ist, sondern dass darüber
hinaus seine Giftigkeit und seine Radioaktivität zusammenwirken und synergetische
Effekte28 erzeugen können, das heißt, dass sich die Wirkungen gegenseitig
verstärken und auf diese Weise die Schäden in den Zellstrukturen und bei den
Zellmechanismen vergrößern – was schließlich in Tumoren oder einer ganzen Reihe
anderer, den ganzen Körper betreffenden Krankheitssymptome zum Ausdruck
kommt. (Quelle: ICBUW, a. a. O.; vgl. Fn. 2)
3. Details über die schweren Gesundheitsschäden;
die Schadensregionen
Zur Wissenschaftlichkeit der Uranwaffen-Kritik
Wir liefern soweit wie möglich die Quellennachweise zu dieser Dokumentation des
ganzen unausdenklichen politischen Skandals (am Schluss des Textes). Aber wir
verweisen schon jetzt auf die Tatsache, dass die langjährigen politischen
Strategien der Verheimlichung, Leugnung und Verharmlosung der furchtbaren
Folgen der Uranmunition (vgl. Kap. 4) es vielfach unmöglich machen, exakte,
übereinstimmende Aussagen über die Größenordnung des Einsatzes, der
verursachten menschlichen Schädigungen etc. auszumachen. Allerdings sind
diese unvermeidlichen Ungenauigkeiten in einigen Detailfragen für die Feststellung
der weitreichenden Schäden an Menschen (nicht zuletzt Neugeborenen!) und in der
Natur, das heißt für die Feststellung des unbestreitbaren Tatbestandes eines
schleichenden Massenmords, vollkommen irrelevant: Die vorliegende Bilanz des
unleugbaren, kaum vorstellbaren Leidens und qualvollen Sterbens zahlloser
Zivilisten in den Kampfgebieten und deren Umgebung (oft in überfüllten
Kliniken) wie auch Tausender von Veteranen spricht eine furchtbar klare
Sprache. Noch darüber hinausgehende „Belege“ für diesen „Kausalnexus“ zu
fordern, halten wir für puren Zynismus von Verantwortlichen und ihren
„wissenschaftlichen“ Wasserträgern, die den Militärstaat von seinen
Versorgungsverpflichtungen freihalten wollen.
Wir stützen unsere Kritik nicht auf die Masse der Opfer29. Diese Zahlen nämlich
infrage zu stellen, ist die zentrale Verharmlosungs-Strategie der offiziellen Publizistik,
insbesondere in den USA, die damit die Wissenschaftlichkeit, folglich die
Glaubwürdigkeit der DU-Kritik in Zweifel ziehen will.
Als Kronzeuge sei hier Dan Fahey30 zitiert, ein hochrangiger US-Militärexperte, der
die – nicht zuletzt von politischen Sprechern – genannten zT. enormen
Größenordnungen der Opfer in sämtlichen Kriegsschauplätzen als „nicht belegt“
diffamiert, – und die tatsächlichen Wirkungen des DU-Staub-Ausstoßes als gering bis
minimal darzustellen versucht.31 Große UNEP-Felduntersuchungen32 im Jahre 2000
durch 11 lokale Fallstudien im Kosovo ( wo bereits vorher teilweise Munition entsorgt
worden war (!) und nur noch minimale Kontaminationen des Bodens und des
Wassers gefunden wurden), schienen diese Pseudo-Beweisführung zu bestätigen.
Aber selbst Fahey (aaO. S.-23ff „4.3. There have been no cancers among US Gulf
War veterans exposed to DU”) muss hier – wie auch an anderen Stellen! – erbost die
platten “Lügen” des “DoD” (Department of Defense) im Interesse der Beschönigung
eingestehen: “This lie was created by the U.S.Department of Defense in January
2001 to calm European concerns about DU ammunition used in the
Balkans…Despite these explicit and public denials, at least one of 50 (!) veterans
examined in 1999… had a lymphatic cancer…In addition to the veteran with cancer,
a second veteran examined by the DU Program in 1999 had a bone tumor in his
arm…In fact, the DU program is beset by several problems in addition to having its
findings manipulated (!) by Pentagon officials, or intentionally omitted by the program
administrator” (vgl. Kap. 4, Abschnitt 1: “Nato manipuliert Presse”).
Wir wollen noch auf zwei spezielle Einwände gegen unser Dossier hier
stellvertretend eingehen, weil sie besonders deutlich die Pseudowissenschaftlichkeit
demonstrieren, mit der die Triftigkeit der kritischen Fakten („Golfkriegssyndrom“ etc.)
infrage gestellt wird.
1. Zu Unrecht wurde behauptet, wir referierten zum Golfkriegssyndrom nicht die
„wissenschaftliche Diskussion“. Wir behaupten dagegen, dass es über die
Existenz eines „Golfkriegssyndroms“ bei -zigtausenden us-amerikanischer und
britischer Soldaten keine wissenschaftliche Diskussion gibt , sondern – wie wir
in Kap.4, Abschnitt: „Studien unter Verschluß“ zeigen - , zunächst
Vertuschungsversuche der USA und Großbritanniens, dann, nach massivem
Druck, 1993/95 Untersuchungen mit sehr kritischen Ergebnissen, dann 1996
gleichwohl ein total verharmlosendes Regierungsstatement. Diese
Verharmlosungsstrategie hat allerdings der Physiologe Albrecht Schott durch
seinen empirischen Nachweis eines schweren uranmunitions-bedingten
Chromosomen-Schadens eines britischen Veteranen 2004 ein für alle Mal ad
absurdum geführt:
„ Chromosomentests waren maßgeblich für die Entscheidung des Gerichts
(Pension Appeal Tribunal), in Edinburgh, Schottland (2.2.2004) der mit DU
Vergiftung begründeten Anklage des Golfkriegsveteranen Kenneth Duncan
(Golfkrieg 1991) stattzugeben. Aus der Urteilsbegründung: 6.6: Zweifelsfrei
wird von Prof. Schott in Tabelle 2 festgestellt, dass Folgen der DU-Vergiftung
in Form von Chromosomenbrüchen im Blut des Klägers vorhanden sind.“33
Diese Entscheidung ist ein Meilenstein im Kampf der weltweit etwa 66.000
DU-vergifteten Golfkriegsveteranen (Frauen und Männer!) des Krieges von
1991 (und der noch unbekannten Zahl des Golfkriegs von 2003): Kenny ist der
erste dieser 66.000 schwerstgeschädigten Menschen, der 13 Jahre nach
diesem Krieg Recht bekommen hat. Tausende sind bereits gestorben. Viele
haben sich in ihrer Verzweiflung das Leben genommen.
2. Zu Unrecht wurde behauptet, „Schadensmechanismen, etwa zur chemischen
Giftigkeit, würden zwar von uns in allgemeiner Form beschrieben, zur
Beurteilung im konkreten Fall müsste jedoch die Belastung/Dosis angegeben
werden und diese mit der zu erwartenden bzw. in den Opfern gemessenen
Belastung/Dosis verglichen werden.“
Die Forderung solcher „konkreten“ Uran- bzw. Uranoxid-Belastungsnachweise
(prinzipiell und empirisch) zur Identifikation von Opfern ist abwegig, da der –
unter anderem in Kliniken aller betroffenen Länder – massenhaft nachgewiesene
Kausalnexus von Uran-Kontaminationen und schweren Gesundheitsschäden
als solcher zur Beweisführung absolut ausreicht . Das o.g. UNEPDossier34
liefert dazu keine Gegenargumente.
Genauere Übersicht: Wie der Uranstaub den Körper schädigt – und wie er
verharmlost wird
Rosalie Bertell35 beschreibt, wie die winzigen, gasartigen „Nanopartikel“ (vgl. F.note
1!) aus Uran im Stoffwechselgeschehen der Körperzellen und auf die Erbinformation
der DNA in den Zellen Einfluss nehmen. Sie macht deutlich, dass auf der Ebene des
biologischen Zellgeschehens immer eine Vielfalt von Faktoren in Wechselwirkung
zueinander stehen. Nur die Berücksichtigung dieser Komplexität bringt die volle
schädigende Wirkung des Uranstaubs als radioaktives Schwermetall zusammen mit
anderen Faktoren zum Vorschein. Die eindimensionalen mathematischen
Schadensberechnungen der Strahlungskommissionen im Dienste des militärisch13
industriellen Komplexes können – und wollen – die Schädigungen durch den
Uranstaub nicht zur Kenntnis nehmen.
Zusammenfassend stellt sie fest:
Die Probleme «sind viel zu komplex, als dass sie mittels einer reduktionistischen
Methode, die den toxischen Effekt einer einzelnen Komponente herausfiltert – selbst
wenn es sich um DU handelt –, beurteilt werden könnten. Eine Erhöhung der freien
Radikale, Schwermetallvergiftungen, die Komplexität und Sensitivität gestörter
Zellreaktionen, geschädigte Organzellen, dysfunktionale Enzyme und Hormone und
das Eindringen von Mykoplasmen – alles Vorgänge, die gleichzeitig innerhalb
lebenswichtiger Organe stattfinden – verursachen enorme Probleme für das Leben
und Überleben. Die von Physikern verwendete mathematische Methodik eignet sich
nicht für unlösliche Nanopartikel wie das keramische DU, das zusammen mit dieser
toxischen Suppe innerlich eingelagert ist.
Die mathematische Standardberechnung des strahlungsbedingten Krebstodrisikos ist
auf Grund der zahlreichen anderen karzinogenen Mechanismen, der Fehlfunktionen
bei der Zellreparatur und komplexen biochemischen Reaktionen, die nicht in die
Berechnungen einbezogen sind, voraussichtlich irreführend. Bei den Veteranen,
deren Krankheiten durch innerliche radioaktive Verseuchung und durch die
verschiedenen Fehlfunktionen der Zellen verursacht wurden, und die trotzdem
versuchen, ein normales Leben zu führen und ihre Familien zu ernähren, ist die
strahlenphysikalische Vorhersage über das durch Niedrigstrahlung verursachte
Krebstodrisiko wahrscheinlich sowohl falsch als auch irrelevant. Die Behörden
werden aber diese unzutreffenden Modellrechnungen sehr ernst nehmen, wenn es
um die Vergabe von Schadensersatz geht.
Die Kriegsveteranen und auch das medizinische Personal, das ihnen hilft, müssen
verstehen, was in diesem Krieg geschah und was getan werden kann, um die
Situation der Veteranen zu verbessern. Sie brauchen medizinische, finanzielle und
politische Hilfe.».( )
Siegwart-Horst Günthers Untersuchungen im Irak nach dem Golfkrieg 199136
Meine Untersuchungsergebnisse weisen Ähnlichkeit mit Symptomen auf, wie sie in
letzter Zeit in dem sogenannten „Golf-Kriegs-Syndrom“ bei alliierten Soldaten und
deren Kindern beschrieben werden. Die genetischen Missbildungen amerikanischer,
britischer und irakischer Kinder gleichen sich.(…)
Schätzungen der britischen Atomenergiebehörde zufolge sollen etwa 40 Tonnen
dieser Munition im Grenzgebiet zu Kuweit herumliegen; andere Experten gehen
allerdings von 300 Tonnen aus. Wegen zu großer Gesundheitsgefährdung für ihre
Mitarbeiter wurde von einer britischen Firma der Auftrag zur Entfernung dieser
Uranmunition abgelehnt. Da in diesen Wüstengebieten auch Regenzeiten auftreten,
gelangt die Toxizität ins Grundwasser und schließlich auch in die Nahrungskette. Es
ist eine langfristige Gefahrenquelle für die dort lebenden 500.000 Menschen, die sich
nach neueren Untersuchungen wohl auch schon auswirkt.
Aus den Kampfgebieten des Kuwait wurde von Beduinen berichtet, dass in der
kuweitisch-saudischen Wüste Hunderte von toten Kamelen, Schafen und Vögeln
lägen, die von amerikanischen Truppen zu Schießübungen benutzt worden seien.
Untersuchungen eines amerikanischen Veterinärmediziners und Experten für
Infektionskrankheiten hätten jedoch ergeben, dass diese Tiere weder
Schussverletzungen zeigen noch an Seuchen verendet sind. Einige dieser toten
Tiere seien von Insekten übersäht gewesen, die ebenfalls abgestorben waren. Es
muss also eine andere Ursache diesem Tiersterben zugrunde liegen.
Nach Forderungen von Saudi-Arabien mußten sämtliche durch Uranmunition
zerstörten Fahrzeuge und Kriegsgeräte von der US-Armee eingesammelt und in die
USA abtransportiert werden; sie waren zuvor in der Wüste eingegraben worden.
Nach US-Angaben werden für das „Golfkriegssyndrom“ Milzbrand- und
Botulismusimpfungen, Malariaprophylaxe, Benzene zur Entlausung,
Pyridostigminbromid gegen das Nervengas Soman, Insektenschutzmittel DEET oder
Permetrin sowie aber auch die von ihnen verwendete DU-Munition verantwortlich
gemacht. Giftgase wurden im Zweiten Golfkrieg nicht eingesetzt.
Auf die Gefahren der DU-Geschosse deutscher Technologie wurden die alliierten
Truppen erst neun Tage nach Kriegsende aufmerksam gemacht. Von
Golfkriegsveteranen aus den USA und GB wird über Krankheitserscheinungen
berichtet, die anscheinend auf den Kontakt mit DU-Munition zurückzuführen sind. Es
wird u.a. über Schädigungen verschiedener Organe, Zahn- und Haarausfall oder
Krebsbildungen berichtet. Schwangeren Militärangehörigen seien missgebildete
Kinder geboren worden.(…)
Nach Angaben des Präsidenten der US-Golfkriegsveteranen sind vom sogenannten
„Golfkriegssyndrom“ 50.000 bis 80.000 US-Armeeangehörige betroffen, bisher
mußten 39.000 von ihnen aus dem aktiven Militärdienst entlassen werden, 2.400 bis
5.000 seien bisher verstorben. In GB litten etwa 4.000 Golfkriegsveteranen am
„Golfkriegssyndrom“(…) (Die Zahlen sind heute wahrscheinlich höher.[B.R./F.V.])
Missgebildet geborene Kinder wurden im britischen Unterhaus vorgestellt. Dabei
gaben diese Golfkriegsveteranen auch ihre Kriegsauszeichnungen zurück. Aber
auch Australier, Franzosen und Kanadier seien vom „Golfkriegssyndrom“ betroffen.
Auch in Kuweit stiegen diese Krankheitsmerkmale immer weiter an. Im Irak werden
250.000 Männer, Frauen und Kinder mit derartigen Symptomen angegeben, die
Mortabilität sei hoch…
Inzwischen hat sich auch der Präsident der US-Golfkriegsveteranen meinen
Vermutungen angeschlossen, dass diese Erkrankungen Parallelen zu den
Vorgängen nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahre 1986 aufweisen.(…)
Im November 1996 wurde darüber berichtet, dass in Ex-Jugoslawien etwa 1.000
Kinder an einem Syndrom unbekannter Ursache litten: Kopf-, Unterbauch- und
Muskelschmerzen, Atemnot und Schwindel. Über 600 Kinder wurden in
Krankenhäuser eingewiesen. Im Dezember 1997 und Januar 1998 wurde in
bosnischen Medien darüber berichtet, dass es in einigen Gebieten des früheren
Jugoslawien zu einem dramatischen Ansteigen von Leukämie, Krebsbildungen und
missgebildeten Neugeborenen gekommen sei.
Eine seltsame Massenerkrankung habe auch Kühe erfasst: Die Milchproduktion
sinke vielfach rapide und versiege teilweise ganz. Der Blutanteil in der Milch sei oft
so hoch, dass sie für den menschlichen Genuss nicht mehr zu gebrauchen sei. In
einigen Fällen seien auch bei Kühen Missgeburten registriert worden: ohne Haut an
den Füßen, ohne Klauen oder Zunge, genetische Veränderungen, die auch bei
anderen Säugetierarten beobachtet worden seien. In Bosnien zeigten sich zudem
auch Veränderungen bei der Vegetation: Es gäbe sehr wenig Früchte, die keine
missgebildeten Formen zeigten. Nach Untersuchungen des Nuklear-
Forschungsinstituts in Vinca habe die radioaktive Strahlung nach den NATOBombardierungen
mit Uranmunition gefährlich zugenommen. Im Januar 2001 wird
auf den Titelseiten serbischer Zeitungen darüber berichtet, dass Kühe und Frösche
mit 2 Köpfen, Ziegen mit 8 Beinen geboren werden. Die Urankatastrophe träfe nicht
nur die Bevölkerung, heißt es dort. Auch deutsche Zeitungen haben darüber
berichtet.
Zu den Gefahren niedriger Radioaktivität hier auch die Ansichten einiger international
bekannter Wissenschaftler:
Der kanadische Wissenschaftler Abram PETKAU publizierte schon 1972 über den
nach ihm benannten Effekt, wonach kleinste chronische Strahlendosen 100- bis
1000-mal gefährlicher sein können, als es die internationalen
Strahlenschutzkommissionen bis auf den heutigen Tag annehmen.
Der US-Amerikaner W. GOFMAN, der an der Entwicklung der Atombombe beteiligt
war, sagte u.a.: „Es gibt keine Entschuldigung dafür, dass ich, GOFMAN, nicht früher
Alarm über die Aktivitäten niedriger, ionisierender Strahlung schlug.“ „Ich denke, daß
mindestens einige 100 Wissenschaftler, die sich mit den biomedizinischen Aspekten
der Atomenergie beschäftigten, ich, GOFMAN, eingeschlossen, Kandidaten für
ein Nürnberg-ähnliches Gericht sind, da sie mit ihrer großen Nachlässigkeit und
Unverantwortlichkeit Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben.“
„Jetzt, da wir die Gefahren niedriger Strahlung kennen, ist das Verbrechen
nicht mehr ein Experiment, das wir machten, sondern Mord.“
Nach den Untersuchungen des US-Amerikaners Ernest J. STERNGLAS aus dem
Jahre 1974 erzeugt niedrige Radioaktivität nicht nur Erbschäden, Krebs und
Leukämie, sie vergrößert auch die große Zahl gesundheitlicher Risiken überhaupt. ….
Sie scheint selbst gewisse Umweltschäden wie das Waldsterben extrem nachteilig zu
beeinflussen. Epidemiologische Studien weisen sogar mit hoher statistischer
Sicherheit auf negative Wirkungen hin: Auf abnehmende Intelligenz, zunehmende
Kriminalität und die Immunschwäche AIDS. (…)
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete auch die sowjetische Industrie an der
Herstellung von Urangeschossen. Anfang der sechziger Jahre versuchte die
deutsche Militärspionage mit allen Mitteln, eine neuartige Panzergranate zu erhalten,
die von den Sowjets an die syrische Armee geliefert worden war.
Nach US-Berichten wurde auch die DU-Munition in Deutschland entwickelt. In
Weekly World News vom 7. Februar 1995 heißt es in der Schlagzeile: „German
company rocks world by selling NUCLEAR-TIPPED BULLETS.
Wie im deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet wurde, räumte die
deutsche Rüstungsfirma Rheinmetall ein, sie habe Anfang der siebziger Jahre
DU-Munition entwickelt und erprobt.37 Ein Göttinger Professor berichtete sogar,
Rheinmetall habe ihm angeboten, Testabschüsse mit verschiedenen Projektilen zu
beobachten, die von der Firma aus abgereichertem Uran angefertigt worden waren.
Auch der deutsche Rüstungskonzern MBB testete 17 Jahre lang DU-Munition (vgl.
Kapitel 5: Kristian Zitzlaff, Uranmunition in Deutschland).
Bei meinem Vortrag in Washington DC am 16. November 1997 wurde ich darauf
hingewiesen, das General Schwarzkopf, der Oberkommandierende der Alliierten im
Zweiten Golfkrieg, über die Nebenwirkungen der DU-Munition deutscher Technologie
keine Kenntnis hatte. Die alliierten Soldaten erhielten erst neun Tage nach
Kriegsende über die DU-Munition Kenntnis, da aus Versehen mit dieser Munition
auch eine Reihe eigener Panzer abgeschossen worden war.
Nach jetzt vorliegenden Informationen wurde in den USA die DU-Munition im
Freilandversuch getestet, indem Stahlplatten mit DU-Munition beschossen wurden.
DU-Munition wurde auch über dem Meer getestet. Alle diese Vorgänge wurden
gefilmt und fotographiert. Es wäre daher verständlich, dass man bei diesen
Versuchen die schwerwiegenden Nebenwirkungen der DU-Geschosse nicht kannte.
Auswirkungen der Uranwaffen in Bosnien: Schleichender Massenmord in
Hadzici
Bosnien 1995: Nach Aussagen von Professor Nedeljkovic von der Universität Nis
sind die Folgen des Nato-Bombardements während des Bosnien-Krieges verheerend
und besonders am Beispiel der Ortschaft Hadzici zu sehen. Er hält fest: «Praktisch
hat dieser Ort seine ganze Bevölkerung auf Grund der explosionsartigen Entwicklung
von Krebserkrankungen in den Jahren nach den Bombardierungen verloren.»38
Die Serben ahnten, dass die Bevölkerung von Hadzici nach der Bombardierung einer
gefährlichen Kontamination ausgesetzt sein könnte, und siedelten 3500 Bürger in
das serbische Gebiet Bosniens nach Bratunac um – aber es war zu spät, denn viele
Menschen waren bereits verseucht.
Eine Bürgerin von Hadzici erzählt: «Wir wohnten im Zentrum von Hadzici. In der
Nähe gab es eine Reparaturwerkstatt der serbischen Armee. Die Gegend wurde
am häufigsten bombardiert. Und auch das Zentrum wurde bombardiert. Was
wussten wir einfachen Leute denn, worum es ging? Dass hier aber etwas nicht
stimmte, hat uns ein Fall bewiesen: Ein kleines Mädchen hat in einem
Bombenkrater gespielt und anschließend fielen ihr alle Fingernägel ab. Sie
wurde ins Militärkrankenhaus nach Belgrad gebracht zu weiteren
Untersuchungen. Offensichtlich war etwas in der Kratererde, was das
verursacht hat. Das ist alles so schrecklich.».
Von den 3500 Umgesiedelten aus Hadzici starben in den nächsten 5 Jahren
1112 an Krebserkrankungen – fast ein Drittel dieser Menschen.
Kosovo und Serbien 1999: Gemäss der zugänglichen Informationen sind im Laufe
der 78 Tage dauernden Bombardierung 15 Tonnen abgereichertes Uran auf 7 Orte
im Süden Serbiens, vor allem rund um Vranje und Bujanovac, und nahezu 20
Tonnen auf 105 Orte im Kosovo, insbesondere rund um Prizren und Pec,
abgeworfen worden.39
Mitar Visnic, Ex-Major der serbischen Armee: «Wir waren überzeugt, dass man
die Uranmunition hier nicht anwenden würde. Wir haben gedacht, dass es nur
ein kleiner Krieg wird. Heute sehe ich, es war ein gut vorbereiteter Krieg,
dreckig und heimtückisch, und dass wir nur Spielfiguren waren, an denen man
alles ausprobieren konnte. Oder man wollte etwas loswerden, wovon man
zuviel hatte.»
Die Serben selbst haben während der Angriffe der alliierten Nato-Verbände akribisch
alle Angriffe und Bombardierungen dokumentiert und kontaminierte Gebiete
entsprechend gekennzeichnet.
Der frühere finnische Umweltminister Pekka Haavisto, der Vorsitzende des UNEPUntersuchungsteams,
war verärgert, weil die Nato beinahe eineinhalb Jahre die
Herausgabe von geographischen Angaben hinauszögerte. Haavisto: «Wir stellten
mitten in Dörfern, wo Kinder spielten, Strahlung fest. Wir waren überrascht, dass dies
noch eineinhalb Jahre später [nach dem Krieg] der Fall war. Die Menschen
bewahrten Munitionssplitter als Souvenirs auf, und in den verseuchten Gebieten
grasten Kühe. Das bedeutet, dass der verseuchte Staub in die Milch gelangen
kann.»40
«Im November 2002 bestätigte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen
(UNEP) das Vorhandensein von abgereichertem Uran an Orten, die von der
Nato bombardiert worden waren. Dort ließ sich ein 100-facher Anstieg der
Urankonzentration im Grundwasser feststellen. Die Sterblichkeitsrate in diesen
Gebieten hat sich verdoppelt, zumeist auf Grund von Krebs sowie
Leukämieerkrankungen bei Kindern.»41
Erst auf Drängen der Serben hat die Nato eine Karte veröffentlicht, auf der sie die
Gebiete der Uranwaffeneinsätze gekennzeichnet hat. Vergleicht man diese
Aufzeichnungen mit denen der Serben, so stellt sich heraus, dass die Angaben der
Nato nur die Hälfte der tatsächlichen Uranwaffeneinsätze aufzeigen.
Nach Ansicht der Nato drohen der Bevölkerung in diesen Regionen auch keine
Gefahren. (…)42
Verseuchte Flüsse 43
Prof. Velimir Nedeljkovic, Universität Nis, Serbien, berichtete im Januar 2007, daß in
Südserbien eine Wasserscheide von zwei Flußbereichen mit DU-Muniton
bombardiert wurde; sodaß über mehrere Flüsse die Meere, in die sie münden,
kontaminiert wurden: das Schwarze Meer und die Ägäis.
„Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass schon im ersten Jahr des
Krieges DU in die Erde und in das Grundwasser eingedrungen ist, und dass
durch die klimatischen Bedingungen, Wind, Regen und andere
atmosphärische Vorgänge, das DU in einem größeren Gebiet verbreitet ist..(…)
Es stellt sich die Frage warum gerade Südserbien mit diesen Projektilen
bombardiert wurde. Südserbien gilt als unterentwickelte Gegend, es gibt
keine Befestigungsanlagen, und es ist nicht dicht besiedelt. (…)Es ist allgemein
bekannt, dass DU Projektile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Bunker u.s.w.
verwendet werden, um sie mit hoher Temperatur zerstören zu können. Während des
Krieges waren solche Objekte in diesem Landesteil nicht vorhanden. Da stellt sich
die Frage, was das eigentliche Ziel der Bombardierung war.(…)“
Barbara Hug berichtet nach einer Reise nach Serbien44
„Die Nato bombardierte zielgenau – Infrastruktur, Fernsehstationen, Fabriken,
Elektrizitätswerke, Brücken, die Eisenbahn und die Flüchtlingskolonnen. Exakte
Daten der Bombardierung und ihre Ziele vgl. Yugoslav Daily Survey vom 8. Juni
1999. Zudem habe ein eigentlicher Ökozid stattgefunden vgl. Vojin Joksimovich,
Nato Commits Ecocide in Serbia, Vortrag am Serbian Unity Congress, Sept. 1999,
Cleveland/Ohio.
Das nukleare Forschungszentrum Vinca hat einige Örtlichkeiten – rund um einige
Bombenkrater – dekontaminiert, an denen die Verseuchung durch abgereichertes
Uran sehr stark war. Die Erde wurde abgetragen und in Fässern nach Vinca
gebracht, wo sie nun auf weitere Entsorgung wartet.
Bis 2001 weidete das Vieh auf dem Gelände. Erst 2001 wurde ein Zaun gebaut. Aber
die landwirtschaftlich genutzten Flächen von Serbien, die Wiesen für die Ziegen,
Schafe und Kühe – deren Verseuchung ist nicht zu beseitigen. Das
Umweltministerium scheint nicht gerne darüber zu informieren. Es gebe keine
genauen Daten, jedenfalls keine offiziellen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass
das arme Serbien Einkünfte von der Ausfuhr seiner landwirtschaftlichen Produkte
hat“
Radioaktive Verseuchung der Bevölkerung Afghanistans, 2001 bis heute
Von Asaf Durakovic 45
Nach den massiven Luftangriffen mit bunkerbrechenden Waffen in Afghanistan im
Dezember 2001 und dann auch im März 2002 entschloss sich das Uranium Medical
Research Center (UMRC) unter der Leitung von Professor Dr. A. Durakovic,
unmittelbare Feldstudien im Kriegsgebiet im Osten Afghanistans durchzuführen. Die
erste Feldstudie wurde im Sommer 2002, die zweite Feldstudie im Jahr 2003
durchgeführt. (Untersucht wurden Personen mit Golfkriegs-Symptomen auf
Uranisotope im Urin. B.R.). Die Forscher vermuteten, dass in den bunkerbrechenden
Waffen ein massiver Urankern eingesetzt wurde, um die Durchschlagskraft der
Raketen zu erhöhen. Tatsächlich stießen sie bei ihrem Eintreffen in Afghanistan auf
Zivilisten der Region, die an denselben Krankheitsmerkmalen litten wie viele der
Golf-Kriegsveteranen von 1991.
Uranstaub aus dem Irak weht bis nach England
Von Chris Busby 46
Waffen aus abgereichertem Uran werden mindestens seit dem Golf-Krieg 1991 im
Kampf verwendet. Seit diesem Krieg und nach der weiteren Verwendung dieser
Waffen auf dem Balkan in den späten 90er Jahren und möglicherweise 2002 in
Afghanistan gibt es Diskussionen über die gesundheitlichen Auswirkungen einer
Belastung durch Uranoxid-Aerosole, die erzeugt werden, wenn das Uran in der Luft
beim Einschlag verbrennt. Einerseits behaupten die meisten Behörden und
Regierungsstellen, dass gemäss einer konventionellen Bewertung auf Grund
der radiologischen Analyse der Internationalen Strahlenschutzkommission
(ICRP) die Intensität der Uranbestrahlung, die wahrscheinlich nach einer
Benutzung im Kampf anzutreffen ist, nicht ausreicht, um eine wesentliche oder
messbare gesundheitsschädigende Wirkung hervorzurufen (vgl. Kap. 4).
Weiter wird behauptet, dass Menschen den Strahlen überhaupt nicht ausgesetzt
werden: Die Kontamination der Umwelt bleibe auf die Einschlagstellen beschränkt.
Diese zwei Argumente werden von den Behörden benutzt, um die vielen Berichte
über die weitverbreiteten Gesundheitsschäden in den Gebieten, in welchen Waffen
aus abgereichertem Uran verwendet wurden, abzutun, womit die Streitkräfte vom
Vorwurf freigesprochen werden, sie hätten Waffen mit unterschiedsloser Wirkung
benutzt. Dies stellt einen wichtigen ethischen und vielleicht auch rechtlichen Punkt
dar, da deren Verwendung ähnlich jener von chemischen oder biologischen Waffen
von der Genfer Konvention verboten ist.
Damit aber kommen wir zum zweiten Hauptargument gegen Uranwaffen, der
Partikelverbreitung und der möglichen Verstrahlung der Menschen – einschließlich
Zivilisten –, die sich in einiger Entfernung von der Einschlagstelle befinden. Die
Verbreitung der Uranpartikel in der Umgebung nach einer Verwendung im
Kampfeinsatz ist eine Frage von beträchtlichem Interesse. Wenig wurde aber bisher
seitens der amtlichen Stellen unternommen, diese Verbreitung der Uranaerosole zu
ermitteln. Vielmehr wurde einfach behauptet, dass das Material in der Nähe der
Einschlagstelle bleibt und Menschen nicht kontaminieren kann, die sich weiter
entfernt als einige Dutzend Meter von dieser Stelle befinden.
Seit den frühen 90er Jahren wird Uran mittels Hochleistungs-Luftprobenfilter (HVAS)
routinemäßig durch das Atomwaffeninstitut (Atomic Weapons Establishment, AWE)
Aldermaston in Berkshire (GB) gemessen. Die Verpflichtung zur Messung von Uran
und auch Plutonium ist die Folge einer öffentlichen Untersuchung über die
Freisetzung dieser Stoffe in die Umwelt, die auf Grund der Besorgnis der lokalen
Bevölkerung nach der Feststellung eines wesentlich erhöhten Aufkommens von
Kinderleukämie im Gebiet um die Anlage durchgeführt wurde.
Das AWE hat seit dieser Zeit das Uran in der Luft überwacht. Seit 2000 wurden dann
alle zwei Wochen genaue Bestimmungen mit Hilfe der Hochleistungs-Luftprobenfilter
durchgeführt.
Einige Geräte stehen direkt auf dem Institutsgelände, andere wurden etwa 15
Kilometern von der Anlage entfernt aufgestellt. Wir haben deren Ergebnisse erhalten.
Die Untersuchungen über den Urangehalt, über die dort berichtet wird, zeigen, dass
es eine signifikante Zunahme an Uran in sämtlichen Filtern am Beginn des Irak-
Kriegs gegeben hat, die bis zum Ende des Krieges angedauert hat. Die Höhe der
Urankonzentration überschritt während dieser Zeit in der Stadt Reading den von der
Umweltagentur dafür festgesetzten Schwellenwert von 1000 nBq/m3 zweimal.
Wir berichten über die Wetterverhältnisse zu dieser Zeit und zeigen auf, dass es über
den gesamten Zeitraum hinweg einen beständigen Luftstrom vom Irak nordwärts
gegeben hat und dass Großbritannien im Zentrum eines Hochdruckgebiets lag, das
Luft vom Süden und vom Südosten mit sich brachte. Geht man vom
durchschnittlichen Atemvolumen eines Menschen aus, bedeutet das, dass, mit der
Zunahme von Uran in der Luft um etwa 500 nBq/m3, jeder Mensch in der ganzen
Gegend etwa 23 Millionen Uranpartikel mit einem Durchmesser von etwa 0,25
Mikrometer eingeatmet hat. Wir schlagen vor, die Gesundheitsdaten, insbesondere
die Geburtsdaten, auf mögliche Auswirkungen der erhöhten Strahlenbelastung hin zu
untersuchen. Unseres Wissens ist dies der erste Beleg, der aufzeigt, dass die
Uranschwebstoffe in der Umwelt langlebig sind und sich über weite Distanzen
verbreiten können.
Die Entfernung zwischen Bagdad und Reading mit den Windmodellen unter
den damals vorherrschenden Luftdrucksystemen beträgt etwa 4000 km. Auch
wenn diese Entfernung anfangs schwer zu glauben sein mag, sollten uns die
regelmäßigen Wüstensand-Niederschläge in Großbritannien daran erinnern, dass
der Planet nicht so groß ist und dass hinsichtlich gewisser langlebiger
Luftschadstoffe «kein Mensch eine Insel» ist. Diese alarmierende Erkenntnis wurde
erstmals nach den überirdischen Atomversuchen der 60er Jahre und den daraus
resultierenden Strontium-90-Befunden in der Milch dokumentiert, und später wieder
nach dem Unfall in Tschernobyl. Aber die Verwendung von uranhaltigen
Kampfwaffen, besonders der neuen bunkerbrechenden Bomben, die angeblich über
eine Tonne Uran im Sprengkopf haben, ist – wie die überirdischen Atomversuche –
etwas, das von Menschen gesteuert wird; es handelt sich nicht um Unfälle.
Die Ergebnisse aus den AWE-Filtern sollten uns zeigen, dass die Folgen nicht auf
das Verwendungsgebiet beschränkt bleiben. In der Tat, auf Grund der hier
berichteten Ergebnisse hat es eine wesentliche Belastung der Bevölkerung in vielen
Ländern gegeben. Uran ist ein starker genotoxischer Stressor. Obwohl die
Urankonzentrationen in der Luft hinsichtlich Masse gering sind, legen die Befunde
nahe, dass die Messungen in Großbritannien auf die Verbreitung einer neuen Art
Uran, der keramischen Submikron-Oxidpartikel, hinweisen. Es ist anzunehmen, dass
die Urankonzentrationen in der Luft in den dem Irak näherliegenden europäischen
Ländern höher waren als die aus der Nähe Aldermastons. Angesichts der vielen
Berichte über genetisch übertragbare Auswirkungen in den Gebieten, wo Uran
verwendet wurde und wo solche Partikel erzeugt wurden, und angesichts der
gemeldeten Krankheiten von Golf-Kriegs-Veteranen wäre es sinnvoll,
Zeitreihenanalysen der Kindersterblichkeit und der Häufigkeit der angeborenen
Missbildungen in europäischen Datenbanken für Kinder, die als Fötus oder deren
Eltern vor der Zeugung Mitte März 2003 einer möglichen Belastung ausgesetzt
waren, durchzuführen. Wir haben das britische statistische Amt um
Monatsergebnisse gebeten, die anscheinend aber noch nicht fertig sind.
Italien: Minister bestätigt Tumorerkrankungen von Soldaten nach
Auslandeinsatz47
Mit grosser Verspätung kommt das Drama des Todes von italienischen Soldaten ans
Licht, die an durch Uranmunition verursachten Tumoren gestorben sind. Es handelt
sich um einen Skandal von erschreckendem Ausmass, der von den kriegführenden
Mächten sorgfältig verborgen gehalten wird. …
Im Verlauf der Anhörungen vor der parlamentarischen Untersuchungskommission
des Senats über DU (abgereichertes Uran) hat der italienische Verteidigungsminister
Arturo Parisi erklärt: «Insgesamt sind 255 Soldaten, die zwischen 1996 und 2006 an
Missionen im Balkan, in Afghanistan, im Irak und in Libanon teilgenommen haben,
von Tumorerkrankungen betroffen. Von diesen sind 37 bereits gestorben.» …
Ganz anders die Einschätzung des Osservatorio militare. Domenico Leggiero,
Vertreter der Organisation, die sich um die Armeeangehörigen und deren Familien
kümmert, sagt, dass die Angaben des Ministers falsch sind: Leggiero erklärt,
«andere offizielle Zahlen der Armee mit der fast zehnfachen Anzahl an Erkrankten
und einer dreifachen Zahl von Todesopfern» vorweisen zu können.
Deutsche Leihsoldaten im Irakkrieg verstrahlt
von Christoph Hörstel, München48
„(…)Nach Aussagen eines Unteroffiziers war es ein kompletter Zug von Soldaten der
deutschen Bundeswehr (Zugstärke normalerweise zwischen 50 und 70 Mann), der
im März 2003 loszog – und im Irak-Krieg an der Seite von US-Truppen dort
eingesetzt wurde, wo Strahlenschäden zu erwarten waren.(…)
Im Anschluss an den Dienst im Irak verstarb die Hälfte (!) seiner deutschen
Kameraden dieser deutsch-amerikanischen Sondertruppe an Krebs, offenbar
verursacht durch Strahlung.(…)“
Die Soldaten wurden im Frühjahr 2003 für diesen Einsatz angeworben, indem man
ihnen bessereBeförderungschancen in Aussicht stellte. Sie schieden offiziell aus der
Bundeswehr aus, meldeten sich freiwillig bei den US-Truppen und zogen mit ihnen in
den Irak-Krieg. Später sollten sie wieder zur Bundeswehr zurückkehren. (Anm. von
B.R./F.V.)
4. Unterschlagene oder verharmlosende
Forschungsberichte – bedrohte Forscher
Nato manipuliert Presse
Autor will nicht genannt werden 49
(…)Die Bevölkerung wurde von der US-geführten Nato seit spätestens Mitte der 90er
Jahre in den USA und seit spätestens Frühjahr 2001 in Europa abgelenkt und in die
Irre geführt. Mira Beham und Jörg Becker beschreiben 50in ihrer Studie wie solche
politischen Manipulationsaufträge aussehen.
Der Januar 2001, genauer der 10. Januar 2001, an dem die Nato unter Moderation
des damaligen Generalsekretärs Lord Robertson eine Pressekonferenz und ein
Briefing für ausgewählte Journalisten mit Wissenschaftern im Dienste des Militärs
veranstaltete, ist ein wichtiges Datum, das den Scheidepunkt markiert. Bis zu diesem
Datum wurden täglich alarmierende Berichte über das Problem der Uranwaffen in
den «Leitmedien» vieler europäischen Länder veröffentlicht, und Politiker und
Parteien – interessanterweise immer aus den jeweiligen Oppostionslagern –
meldeten sich zu Wort. Ihre Überlegungen wurden über die Leitmedien zu Beiträgen
einer öffentlichen Debatte. Nach dem 10. Januar 2001 verstummte die Diskussion.
Der Spiegel beendete erst am 22. Januar 2001 – noch mit einem sehr lesenswerten
Artikel – die Behandlung des Themas. Andere hatten schon vorher «abgestellt», ab
Februar wurden in diesen Medien – wie auf Kommando – keine weiteren Berichte
mehr zu dem Thema veröffentlicht. Statt dessen wurden … einige speziell
vorbereitete, das Thema «abschließende» Veranstaltungen durchgeführt, an denen
Wissenschafter, im Sold abhängiger Institutionen stehend, zur Entwarnung bliesen
und anwesende Militärs und Politiker den Beschluss «Ende der Debatte» umsetzten.
Seitdem herrschte in der politischen öffentlichen Debatte und in den Massenmedien
Grabesstille.(…)
In die gleiche Richtung geht eine Passage in einem Text von Dai Williams:
„Untersuchung der im Libanon-Krieg 2006 eingesetzten Waffen, Ein
Zwischenbericht“, abgedruckt in Zeit-Fragen Nr. 7 vom 21. Februar 2007, S. 8
(Anm. von B. R. / F. V.)
Beschönigende Einschätzungen
1. Die Internationale Kommission für Strahlenschutz (ICRP)
Die ICRP ist ein Gremium, das an Regierungen und supranationale Institutionen
Empfehlungen zum Strahlenschutz herausgibt. Sie entscheidet politisch zwischen
der für den Körper verträglichen Strahlung und der Strahlendosis. die sie für politisch
vertretbar hält.(…) Während die Mitglieder dieser Organisation zwar auf dem Gebiet
der Strahlenphysik kompetent erscheinen, wurde jedoch Kritik laut, dass sie auf dem
Gebiet der Strahlenbiologie bedeutend weniger gut sind. Die ICRP verwendet Daten
der Atomexplosionen von Hiroshima und Nagasaki, um die Wirkung von
Strahlendosen und Strahlenexpositionen abzuschätzen. Die japanischen
Bombenopfer waren einer plötzlichen Explosion mit von außen einwirkender
Gamma- und Beta-Strahlung ausgesetzt. Wie aufgezeigt wurde, führt eine
langanhaltende Kontamination der Umwelt durch DU respektive Uranwaffen
[dagegen, B.R./F.V.] zu einer chronischen körperinneren Strahlenbelastung durch
Alpha-Strahlen, und dieser Sachverhalt macht die Strahlendosisraten der ICRP
ziemlich irrelevant.(…) (Quelle: ICBUW, a. a. O. Fn. 2)
Beschönigende Einschätzungen
2. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
2001 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation einen Bericht, in dem
behauptet wurde, dass die Belastung durch die Uranmunition außer unter ganz
besonderen Umständen keinerlei Anlass zur Sorge um die öffentliche Gesundheit
böte.51 In der Folge wurde bekannt, dass wichtige Papiere des USVerteidigungsministeriums
über die genetische Toxizität der Uranmunition aus dem
Bericht herausgenommen worden waren. Dr. Keith Baverstock, der in der
Strahlenschutzabteilung der WHO arbeitete, glaubt, dass Druck von höchster Ebene
ausgeübt wurde, um diese Forschungsergebnisse zu übergehen.52 Es ist
offensichtlich, dass die WHO nur so stark ist, wie die Mitgliedstaaten, die sie
finanzieren, es ihr erlauben. Die Quelle weiterer Verwirrung ist ihre Beziehung zu den
Schwesterorganisationen wie zur Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), deren
Ziel es ist, den Einsatz atomarer Energie zu fördern. Der Bericht der WHO
verwendete dieselben ICRP-Modelle, die nachweislich nicht in der Lage sind, die
Effekte interner radioaktiver Strahlungsquellen richtig darzustellen. (Quelle: ICBUW
a. a. O.; vgl. Fn. 2)
In Zeit-Fragen vom 11. Oktober 2006 (Seite 4) schrieb ein anonymer Autor:
(Es) stellt sich über kurz oder lang die Frage, warum sich die
Weltgesundheitsorganisation WHO nicht bzw. erschreckend nichtssagend und falsch
über die gesundheitlichen Gefahren äußert, die von ionisierender Strahlung
ausgehen, und damit einen Verrat an ihren Kernaufgaben begeht.
Dies wird erst dann verständlich, wenn man weiß, dass (…) die IAEA die WHO
schon 1959 mit einem Vertrag zum Schweigen zwang. Im Artikel 1 des Abkommens
zwischen IAEA und WHO vom 28. Mai 1959 heißt es, dass «die IAEA die primäre
Verantwortung trägt sowohl für die Förderung, die Unterstützung und die
Koordination der Forschung als auch für die Entwicklung und die praktische
Anwendung der Atomenergie für den friedlichen Gebrauch in der ganzen Welt
unbeschadet des Rechts der WHO, sich selber mit der Förderung, der Entwicklung,
der Unterstützung und der Koordination der internationalen Gesundheitsarbeit
einschliesslich der Forschung, in all ihren Aspekten zu befassen.»
Dieses Recht der WHO zu selbständiger Gesundheitsarbeit ist aber praktisch im
Bereich der Atomenergie nicht existent, durch den Anspruch des Artikel I, (3) der
besagt, dass „wenn immer die eine der beiden Organisationen beantragt, ein
Programm oder eine Aktivität zu einem bestimmten Thema zu initiieren, das die
substantiellen Interessen der anderen Organisation berührt oder berühren könnte,
die erste Partei die andere konsultieren soll im Hinblick auf eine einvernehmliche
Regelung der Angelegenheit».
Im Klartext heisst dies, dass die WHO sich jedes Forschungsprojekt zu
gesundheitlichen Auswirkungen von ionisierender Strahlung von der IAEA
genehmigen lassen muss.(…)
Unterdrückte Forschungen:
Das Radiobiologische Institut der US-Streitkräfte (AFFRI)
Zwischen 2000 und 2003 stand Dr. Alexandra Miller an der Spitze der von der USRegierung
finanzierten Forschung zur chemischen Toxizität und Radioaktivität von
Uran. Nachdem sie mehrere von Fachkollegen überprüfte Berichte herausgegeben
hatte, in denen sie besorgniserregende Beziehungen zwischen Uran und
gesundheitlichen Problemen festgestellt hatte, wurde die Finanzierung ihrer
Forschung gestoppt. Sie und ihre Kollegen hatten zum ersten Mal nachgewiesen,
dass in den Körper aufgenommene Uranoxide «eine beträchtliche Erhöhung von
DNA-Veränderungen bei Zellen im Bereich der Harnwege zur Folge haben können»,
dass sie menschliche Zellen in Zellen umwandeln können, die bei Mäusen mit
unterdrückter Immunreaktion Krebstumore hervorrufen können, und dass
abgereichertes Uran in der Lage ist, DNA-Schäden zu verursachen, obwohl keine
bedeutenden radioaktiven Zerfallsprozesse stattfinden, das heißt allein schon durch
seine chemische Giftigkeit. Dass ihre Forschung unterdrückt wurde, ist typisch für die
Geheimhaltung, die in der Debatte um die Uranwaffen vorherrscht. (Quelle: ICBUW,
a. a. O.; Fn. 2)
Verheimlichte Untersuchungsergebnisse
Barbara Hug 53
Im Jahre 1999 habe in Serbien noch niemand über die Probleme mit DU geredet.
Schliesslich wurde es durch erkrankte italienische, deutsche und portugiesische
Soldaten ans Tageslicht gebracht. In Serbien selbst sprach Zoran Stankovic von der
Militärakademie als erster darüber. Er hatte die Leichen von Soldaten aus dem
Bosnien-Krieg untersucht. 1996 sei Sarajevo bombardiert worden. Stankovic habe
eine Nachuntersuchung der Soldaten gefordert, die auch durchgeführt wurde, jedoch
wurde nichts davon veröffentlicht.
Ob die Amerikaner denn keine Sorge hätten, dass ihre Soldaten in Camp Bondsteel,
die im schwer kontaminierten Gebiet im Süden Serbiens untergebracht seien, krank
würden? Es seien in der Mehrzahl amerikanische Soldaten mit Latino-Herkunft, und
die gesamte Nahrung würde vom Ausland hereingeschafft …
Beeinflussung der NGOs in Serbien
Barbara Hug54
Die Nato versuche, so unsere serbischen Gesprächspartner, ein gezieltes weiches
Lobbying unter den Nichtregierungsorganisationen in Serbien zu betreiben, damit
sich keine Umwelt-NGO mit der Problematik des abgereicherten Urans befasse. Die
Einflussnahme geschieht über verschiedene Kanäle. Einer davon ist das Geld. Nur
für «richtige» Projekte erhalten die NGOs Geld, meist aus dem Ausland, von
Frankreich, Schweden, Deutschland oder England. (…) Westliche Regierungen
zahlen an die serbischen NGOs. Eine andere Kanalisierung im politischen Sinn ist
die Vereinnahmung kleiner NGOs durch größere, zum Beispiel durch das Regional
Environmental Center for Central and Eastern Europe, mit Sitz in Szentendre,
Ungarn. Woher fließt das Geld für diesen Dachverband, der die kleinen NGOs an
sich zu binden versucht? Eine kleine NGO in Serbien hat kaum eine Möglichkeit,
ohne Beitritt zu diesem «Dach» Unterstützung zu erhalten.
Studien unter Verschluß
Angelika Claußen 55 berichtet:
Der pensionierte WHO-Experte Keith Baverstock ist Mitautor einer Studie, die die
WHO bisher unter Verschluss gehalten hat. In dieser Studie führt er aus, dass die
direkt von der Niedrigdosisstrahlung des DU getroffenen Zellen dem sog. Bystander
Effekt unterliegen. Dadurch werde nicht nur das genetische Material der direkt
getroffenen Zelle, sondern auch das der Nachbarzellen destabilisiert und könne so
die Ursache für Krebs und andere Erkrankungen darstellen.
Nach dem Golfkrieg 1991 geriet die US-Regierung (auch die britische Regierung)
durch die Veteranenverbände enorm unter Druck und musste wissenschaftliche
Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen des DU in Auftrag geben.
Ergebnisse:
• U.S. General Accounting Office 1993: „nicht lösliche Oxide, die inhaliert wurden,
verbleiben länger in der Lunge und stellen ein potentielles Krebsrisiko dar infolge
der radioaktiven Strahlung. Über die Nahrungskette aufgenommene Teilchen
stellen ein radioaktives und ein toxisches Risiko dar.“
• Army Environmental Policy Institute 1995 : “Wenn DU in den Körper gelangt, hat
es die Fähigkeit, signifikante medizinische Folgen zu hinterlassen. Die Risiken,
die mit DU assoziiert sind, sind sowohl chemischer als auch radiologischer Natur.“
Trotzdem heißt es im Schlussbericht des Presidential Advisory Committee of Gulf
War Illnesses 1996:
“Es ist unwahrscheinlich, dass die gesundheitlichen Auswirkungen, die von den
Golfveteranen beklagt werden, auf die Exposition von DU zurück zu führen
sind.“56(…)
USA behindern Studien
Angelika Claußen berichtet weiter:
Seit 1998 waren Berichte von Medizinern aus dem Irak bekannt geworden, die auf
eine Erhöhung der Kinderleukämien und der Missbildungen bei Neugeborenen
hinwiesen, vor allem in der Region um Basra. Der Irak wandte sich daher an die UN
mit der Bitte um Durchführung einer Studie, durch die diese Phänomene aufgeklärt
werden sollten. Allerdings verhinderte eine starke US-Lobby, dass die
Generalversammlung der UN diese Bitte zu ihrem Beschluss machte.
Es gibt eine Reihe von Widersprüchen und offenen Fragen, mit denen wir uns künftig
wissenschaftlich auseinander zu setzen haben. Leider tun die Amerikaner alles, um
eine systematische Bearbeitung dieses Bereichs zu behindern – durch Ignoranz,
Nicht-zur-Verfügung stellen von bereits vorliegenden Daten und
Forschungsergebnissen, Verweigerung finanzieller Unterstützung von unabhängigen
Wissenschaftlern für solche Arbeiten, gezielte Desinformation in der Öffentlichkeit
usw.
Gleichgeschaltete Presse leugnet Gesundheitsrisiken
Weiter Angelika Claußen:
Als Ärztin und Teilnehmerin einer Friedensdelegation war ich gerade aus Basra von
unserem Besuch des Mutter-Kind-Hospitals zurückgekehrt. Der ZDF-Reporter, der
mich interviewte, meinte vorab: „Kommen Sie bloß nicht damit, dass die Ursache für
die vielen, an Leukämie erkrankten Kinder etwas mit DU, abgereichertem Uran, zu
tun haben könnte. Das wird unser Sender auf keinen Fall bringen!“ Ich fühlte einen
leichten Schock in mir. Eine ursprünglich wissenschaftliche Debatte ist so politisiert
und polarisiert, der „eingebettete Journalismus“ funktioniert reibungslos.(…)
Der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Scharping hatte Berichte über
Gesundheitsgefahren infolge der während des Kosovo-Krieges verwendeten
Uranmunition zum „Blödsinn“ erklärt und kategorisch behauptet,„ein Strahlenrisiko
gibt es nicht“.
Irreführende neuere Untersuchung57
Eine Untersuchung deutscher im Balkan stationierten Soldaten und bei der
Bevölkerung Kosovos hinsichtlich deren Vergiftung und Verstrahlung durch DUMunition
ist in die Kritik geraten. Die offizielle Untersuchung hatte behauptet, «dass
sowohl die Friedenstruppen wie auch die Einwohner keinen bedeutsamen
Belastungen von DU ausgesetzt waren».
Als besonders schwerwiegend werden zwei Punkte erachtet:
1. Das ausschliesslich eingesetzte Messverfahren «ICP-Massenspektrometrie» ist
nicht geeignet, «strahlen»verursachte Krebsrisiken in ausreichendem Umfang zu
bewerten. Strahlenbelastungen aus Trans-Uran (Plutonium, Americium, Curium),
die schon bei geringer Uranbestrahlung entstehen und ab 1-Millionstel-
Massenanteil wirksam werden, wurden nicht erfasst. Es fehlen Alpha- Betha- und
Gamma-Spektralanalysen.
2. Selbst erste Hinweise auf Anomalitäten sind verschleiert worden: (…)die
Auflistung [der Rückstände, B.R./F.V.] von Uran 234 im Urin [wird ] bewusst
unterlassen. (…)In [einer anderen] Tabelle (Wasser, weit entfernt von den
Betroffenen) besteht dagegen der Mut, U 234 zu nennen.
(…)Die Untersuchung ist im wesentlichen von 8 Wissenschaftern des GSF –
Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit – Neuherberg/München getragen,
das sich als nationales Forschungszentrum «GSF – National Research Center for
Environment and Health, Institute for Radiation Protection» – darstellt. Es bestand die
Aufgabe, die Krebsrisiken infolge des Einsatzes von Uran für deutsches Personal
und auf die Bevölkerung Kosovos zu untersuchen. Der Auftraggeber und die
Formulierung des Auftrages werden verschwiegen.
Die Defizite sollten im Interesse seriöser wissenschaftlicher Berichterstattung
beseitigt werden. (…) man sollte dabei bedenken, dass die Krankheitsrate der im
Golfkrieg erkrankten US-Soldaten in die Hunderttausende geht.
Gleichgeschaltete Presse während der Balkankriege 58
Die PR-Firmen, die während der Balkan-Kriege tätig waren, sind ganz überwiegend
mächtige, gesellschaftlich (zumindest in der US-Gesellschaft) anerkannte und
vertrauenswürdige Kommunikationsspezialisten. Sie gelten als glaubwürdige Quellen
und Akteure, insbesondere wenn man ihr personelles Profil berücksichtigt. Sie
erfüllen alle Voraussetzungen eines »unabhängigen Botschafters« («independent
messenger»), wie er für die Public diplomacy gefordert wird (Peterson 2002).
Somit haben wir in den Balkan-Kriegen die Konstellation, dass Kriegsregierungen
ihre Propaganda durch den Filter von PR-Agenturen und deren zahlreiche
Kommunikationskanäle in glaubwürdige Botschaften verwandeln konnten. Daraus
resultiert eine starke Homogenisierung der öffentlichen Meinung in den USA (und in
den westlichen Gesellschaften überhaupt): die US-Regierung, amnesty international,
Human Rights Watch, Freedom House, das United States Institute of Peace, die
Soros Foundation, liberale Intellektuelle und weite Kreise der Konservativen, die
Vereinten Nationen, Journalisten, aber auch die Regierung in Zagreb, die Regierung
in Sarajevo, die Führung der Kosovo-Albaner, die UÇK – sie alle haben, mit
geringfügigen Nuancen, eine praktisch identische Lesart der Balkan-Kriege publiziert.
Und sie ist deckungsgleich mit der Propaganda der exjugoslawischen,
nichtserbischen Kriegsparteien.
Verweigerte Abdruckgenehmigung
23. April 2007
Sehr geehrte Frau Runge,
leider kann ich Ihnen die erbetene Abdruckgenehmigung für Textstellen aus meiner
Veröffentlichung über DU-Munition nicht erteilen.
Ich habe lange mit mir gerungen, möchte aber nach meinen Erfahrungen aus den
Jahren 2002/2003 nun lieber meine Familie schützen und meinen Namen nicht
wieder in die Öffentlichkeit bringen.
Ich bitte um Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
xxx
Freie Journalistin
Mordanschläge auf Siegwart-Horst Günther59
(…)Seit Ende 1991 diagnostizierte ich im Irak eine bisher unbekannte Krankheit, die
auf Funktionsstörungen der Nieren und Leber zurückzuführen war. In einem Artikel
hatte ich am 28. Oktober 1991 unter der Überschrift „Wurden irakische Kinder Opfer
von ABC-Kampfstoffen?“ darüber berichtet. 1991 entging ich in Jordanien nur knapp
einem Mordanschlag und wurde im Dezember 1993 bei einem zweiten Anschlag in
Deutschland schwer verletzt.
Die Untersuchung eines dieser ungewöhnlichen Geschosse brachte mich in
Deutschland in größte Schwierigkeiten: Es war hochtoxisch und zeigte eine hohe
Radioaktivität; auch die Geschossummantelungen waren radioaktiv. Das Projektil
wurde mit den Geschossummantelungen von einem großen Aufgebot deutscher
Polizei in Schutzkleidung beschlagnahmt, unter größten Sicherheitsvorkehrungen
abtransportiert und in einer gesicherten Deponie gelagert. Ich wurde später wegen
„Freisetzung ionisierender Strahlung“ inhaftiert und bei den Verhören misshandelt.
Der damalige deutsche Verteidigungsminister hatte die DU-Geschosse als völlig
ungefährlich bezeichnet und beabsichtigte, ein derartiges Geschoss im deutschen
Parlament zu zeigen. Als er aus der Presse von meiner Verhaftung erfahren hatte,
nahm er davon Abstand.(…)
„Halbe Wahrheiten und ganze Lügen“60
Unter diesem Titel hat Dr. med. Ralf Cüppers mehrere Äußerungen der WELT, des
ehemaligen Verteidigungsministers Scharping (14. Januar 2001 in der ZDF-Sendung
„Eser und Gäste“) und einen Artikel des Redakteurs Gero von Randow in der ZEIT
auf 40 Seiten einer gründlichen kritischen Analyse unterzogen. Da die
Bloßstellungen von Cüppers keine über die hier dargestellten Befunde konkret
hinausgehende Analysen enthalten, beschränken wir uns aus Platzmangel hier auf
diesen allgemeinen Verweis. Wir betonen aber, dass Cüppers‘ Text ein besonders
detaillierter Aufweis der Fahrlässigkeit ist, mit der in der Bundesrepublik weithin die
Problematik dieser lebensgefährlichen Waffen behandelt wird.
5. Uranmunition in Deutschland
Informationen? – nur scheibchenweise
Von Kristian Zitzlaff 61
Die Informationen, die innerhalb von zwei Wochen (Anfang des Jahres 2001,
B.R.F.V.) zumindest ansatzweise an die Öffentlichkeit gelangten, haben es in sich:
entgegen allen bisherigen Behauptungen haben die US-Streitkräfte Uranmunition in
Deutschland nicht nur gelagert, sondern auch verschossen, und in mindestens sechs
Fällen sind mit dieser Munition bestückte Panzer ausgebrannt. Und vorbei am
Parlament hat auch die Bundeswehr seit Anfang der 70er Jahre kontinuierlich
Forschungen und Versuche mit Uranmunition durchführen lassen und im Geheimen
Pläne zur Produktion dieser heimtückischen Munition entwickelt. Es waren die
Medien, die immer neue ”Skandale” offenlegten, während das BMVg sich ”widerwillig
die Informationen (…) aus der Nase ziehen” ließ. 62 Im folgenden werden die
bisherigen Enthüllungen zusammengetragen, die nur die Spitze des Eisbergs
darstellen. Denn weiterhin gibt es mehr offene Fragen und Widersprüche als
eindeutige Antworten.
”Die Bundesregierung bestätigt, dass die Bundeswehr keine DU-Munition
entwickelt, besitzt oder zu Übungszwecken einsetzt und dass die Entwicklung,
Beschaffung oder Verwendung solcher Munition auch für die Zukunft
auszuschließen ist.” So erklärte das Bundesministerium für Verteidigung
(BMVg) am 12. Juni 1995, damals noch unter Minister Volker Rühe,
bezugnehmend auf schriftliche Fragen des SPD-Abgeordneten Georg
Pfannenstein. Weiter heißt es dort, dass ”zu keiner Zeit die Absicht bestand
oder besteht, DU-Munition in der Bundeswehr zu verwenden”. ”Nach
Erkenntnissen der Bundesregierung haben die in Deutschland stationierten
US-Streitkräfte DU-Munition im Bestand. Ein Verschuss zu Übungszwecken ist
in Deutschland mangels geeigneter Übungseinrichtungen nicht möglich und
daher untersagt“ 63.
Am 9. Oktober 1997 erklärte das Auswärtige Amt erneut in Antwort auf
schriftliche Fragen des obigen SPD-Abgeordneten: ”Die Bundeswehr verfügt
nicht über DU-Munition. Die Verbündeten verwenden keine DU-Munition für
Schießübungen in Deutschland. Demnach ist ein Risiko durch einen
versehentlichen Verschuss von DU-Munition auf dem Gebiet der
Bundesrepublik Deutschland nicht gegeben.” 64 Soweit die Theorie.
Verseuchungen durch US-Streitkräfte
Noch am 9. Januar 2001 bestätigten auch die US-Streitkräfte, DU-Munition zwar in
Deutschland zu lagern, diese aber hier nicht zu verwenden. 65 Wenig überzeugend
fand das hingegen u.a. der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz:
”Wer über diese Munition verfügt, der wird sie natürlich auch zu Übungszwecken
heranziehen.”66
In der Tat gab das Hauptquartier der US-Landstreitkräfte in Europa (Heidelberg)
wenig später Fälle zu, bei denen DUMunition, angeblich aus Versehen, auf
Truppenübungsplätzen in Deutschland verschossen bzw. durch einen Unfall
verbrannt wurde. 1987 wurde demnach in Grafenwöhr (Oberpfalz/
Bayern) ”irrtümlich” Uranmunition verschossen, 1988 sei ein mit DU-Munition
beladener Panzer ausgebrannt.67
Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping berichtete ebenfalls am 10. Januar
2001 von einem weiteren Vorfall 1985 in Altenwalde bei Cuxhaven (Niedersachsen)
– interessanterweise fand sich in den späteren Ausführungen nie wieder ein Hinweis
auf diesen Vorfall. 68 Wiederum einige Tage später war dann von zwei Unfällen im
September 1988 die Rede, bei denen in den Ortschaften Gollhofen (Mittelfranken,
zwischen Rothenburg und Würzburg) und Oberaltertheim (Unterfranken, zwischen
Würzburg und Tauberbischhofsheim) zwei mit DU-Munition bestückte Panzer der
US-Streitkräfte bei einem Manöver ausbrannten. 69
Am 19. Januar informierte Scharping schließlich den Bundestag von nunmehr neun
Vorfällen zwischen 1981 und 1990, bei denen in drei Fällen DU-Munition von USStreitkräften
”irrtümlich” verschossen worden sei und in sechs Fällen mit DU-Munition
bestückte US-Panzer ausgebrannt seien. Die Liste stammte aus dem Hauptquartier
der USLandstreitkräfte in Europa. Genannt wurden folgende Vorfälle: 1981 in Fulda
(Hessen), 1982 in Lampertheim (Hessen, nördlich von Mannheim), 1985 in Garlstedt
(Niedersachsen, nördlich von Bremen), 1985 in Schweinfurt (Unterfranken), 1986 in
Grafenwöhr, 1988 in Grafenwöhr, Gollhofen und Oberaltertheim sowie 1990 in
Wildflecken (Unterfranken, südöstlich von Fulda). 70
Nach Angaben des ”Spiegel” lag eine Liste dieser Vorfälle dem BMVg bereits seit
August 1996 vor! 71 Dass das BMVg auch schon in den 80er Jahren über die
Ereignisse informiert war, legt eine Äußerung des damaligen Leiters des
Planungsstabes des Ministeriums, Hans Rühle, nahe, der Anfang Februar 2001
gegenüber der ”Mitteldeutschen Zeitung” erklärte, damals ”alles getan” zu haben, um
Informationen über Uranmunition der US-Streitkräfte in Deutschland ”zu
unterdrücken”. Die Informierung der Öffentlichkeit ”über tausend strahlende USPanzer
auf deutschen Straßen” hätte eine ”politisch-psychologisch hoch gefährliche
Situation” heraufbeschworen.72
Wenn auch mittlerweile zumindest neun ”Einzelfälle” eingestanden worden sind, so
werden auch weiterhin die genauen Umstände der Vorfälle, wie Datum, Ursache,
Opfer sowie die Mengen des jeweils freigesetzten Urans geheimgehalten. Unklar
bleibt auch, ob es in dem angegebenen Zeitraum (1981-1990) oder danach noch
weitere Fälle gab, bei denen DU-Munition verschossen wurde, oder weitere Unfälle.
Und schließlich stellt sich die Frage, wieviel Gefahr heute noch von der Uranmunition
der US-Streitkräfte in Deutschland ausgeht. Zwar erklärte das US Headquarter in
Heidelberg Mitte Januar, dass die US-Panzer in Deutschland heute nicht mehr mit
Uranmunition bestückt seien, doch überprüfen kann dies wohl niemand. 73
Am 18. Januar teilte das bayrische Umweltministerium mit, die genannten Orte auf
eine mögliche radioaktive Verseuchung untersuchen zu lassen. 74 Zumindest in
Gollhofen und Grafenwöhr wurde dabei keine erhöhte Strahlung festgestellt. 75 Dass
diese Messungen wohl eher medial inszenierte Leerlaufhandlungen waren, macht
der Umstand deutlich, dass bspw. in Grafenwöhr Messungen nur im Umfeld, also
außerhalb des Militärareals vorgenommen wurden; für das Gelände selbst haben die
US-Streitkräfte bislang keine Genehmigung erteilt.76 Auch von Untersuchungen
hinsichtlich einer möglichen toxischen Verseuchung war keine Rede.
Weitere Verdachtsfälle
Die Enthüllungen von Januar 2001 waren nicht die einzigen – nunmehr bestätigten -
Hinweise darauf, dass die strahlenden und hochgiftigen Geschosse auch in
Deutschland verwendet wurden. Bereits Jahre zuvor gab ein ehemaliger USSoldat in
einem Fernsehinterview an, dass auch auf den Militärbasen in Miesau (zwischen
Kaiserslautern und Neunkirchen) und Baumholder bei Idar-Oberstein (beide
Rheinland- Pfalz) Uranmunition getestet wurde. 77…
Auch bei dem Absturz einer A-10 in Remscheid (NRW) am 8. Dezember 1988 wird
vermutet, dass dabei freigesetztes DU die Absturzstelle verseuchte. Damals starben
sieben Menschen, 50 wurden verletzt. In den Jahren danach erkrankten mehr als
hundert Menschen aus der Nachbarschaft des Absturzortes wie auch Helfer des
Technischen Hilfswerks an Hautentzündungen (Dermatitis), Nervenentzündungen
und verschiedenen Arten von Krebs, ein Kind verstarb. Vermutungen, daß die A-10
Uranmunition an Bord hatte, dementiert das US-Militär jedoch beharrlich. 78 Im
Auftrag des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums soll nun der Fall von einem
unabhängigen Institut untersucht werden.79
Weitere Abstürze von A-10-Bombern ereigneten sich am 17. September 1981 bei
Kaiseringen (bei Albstadt, Baden- Württemberg), am 23. März 1982 bei Herford
(NRW), am 28. Juli 1983 zwischen Esterwegen (Niedersachsen) und Ahaus (NRW),
am 10. August 1984 bei Wiesbaden (Hessen) und am 22. November 1999 auf dem
US-Luftwaffenstützpunkt in Spangdahlem (nordöstlich von Trier, Rheinland-Pfalz).
Ob die Maschinen zum Absturzzeitpunkt DU-Munition an Bord hatten, ist unklar. 80
Uran-Altlasten auch in Ostdeutschland?
Dass nicht nur über Westdeutschland das toxische Schwert der Uranmunition hängt,
sondern auch in der ehemaligen DDR die Gefahr durch DU virulent gewesen sein
könnte, wird seit längerem vermutet. Wie die Zeitung ”Die Welt” am 15. Januar 2001
berichtete, will sie ”aus Bundeswehrkreisen” erfahren haben, dass auf dem
Truppenübungsplatz Altmark (Colbitz-Letzlinger Heide, Sachsen-Anhalt) größere
Reste von DU-Munition vermutet werden, die die damalige Sowjetarmee dort
verschossen und nicht entsorgt haben soll.81
Das BMVg dementierte diese Meldung noch am selben Tag: ”Nach Aussagen ehem.
NVA-Stabsoffiziere verfügte die NVA nicht über DU-Munition. Ebenso ist ein
Verschuss von DU-Munition durch sowjetische Streitkräfte mit größter
Wahrscheinlichkeit auszuschließen, da trotz intensiver Munitionsräumung auf dem
TrÜbPl ALTMARK seit 1996 keine DU-Munition oder Teile davon gefunden wurden.”
82(…)
(…)Mittlerweile ist bekannt, dass sowohl die Rote Armee als auch die NVA sehr wohl
Uranmunition in ihren Beständen hatten, wie Verteidigungsminister Scharping am 24.
Januar bestätigte ( siehe unten).
Gefährliche Liebschaften der Bundeswehr
Nach Angaben des Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, habe
die Bundeswehr Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre auch selbst erwogen,
”solche panzerbrechende DU-Munition zu beschaffen. (…) Es hat damals eine
Auseinandersetzung gegeben zwischen dem Führungsstab des Heeres,
zwischen den Rüstern und den Strahlenschutzverantwortlichen im BMVg. Im
Ergebnis ist dieser Streit vor dem Hintergrund des Umweltrisikos zu Gunsten
der Strahlenschützer ausgegangen und deswegen hat die Bundeswehr die
Munition nicht beschafft.” 83 Eine interessante Aussage, bestätigt sie doch implizit,
daß man schon damals von den Gefahren wusste und sich möglicherweise auch
deswegen gegen diese Munition entschied.
Scheibchenweise und sehr lückenhaft kamen dann Einzelheiten über die
langjährigen DU-Ambitionen der Bundeswehr ans Tageslicht, die über die von Gertz
angedeuteten Gedankenspiele auf der Hardthöhe hinausgingen. Den Anfang
machte die eidesstattliche Aussage eines ehemaligen Bundeswehr-Soldaten am 15.
Januar 2001 gegenüber dem NDR, dass er 1980 auf dem Truppenübungsplatz
Sennelager bei Paderborn (Nordrhein-Westfalen) während einer Schießübung etwa
zehn Patronen uranhaltiger Munition mit der Bordmaschinenkanone (BMK) zu
verschießen hatte, ohne jedoch über die Risiken informiert worden zu sein. 84
Die Bundeswehr wies die Information als falsch zurück: ”In der Bundeswehr wurde
und wird keine Munition aus abgereichertem Uran verwendet. Ein Verschuss solcher
Munition auf dem Truppenübungsplatz Sennelager wird nach Recherchen im
Führungsstab der Streitkräfte ausgeschlossen. (…) Wahrscheinlich ist aber, daß es
sich dabei um eine 20 mm Treibspiegel-Munition mit einem Penetrator aus Wolfram-
Schwermetall handelte.”85
Kurz darauf, am 19. Januar 2001, berichtete dann die ”Süddeutsche Zeitung”, dass
von den Firmen Rheinmetall und Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB) in den 70er
Jahren Versuche mit uranhaltiger Munition durchgeführt worden seien. Demnach
habe Rheinmetall von Anfang der 70er Jahre bis 1978 im Auftrag des BMVg auf dem
firmeneigenen Schießplatz in Unterlüß (Kreis Celle, Niedersachsen) verschiedene
Versuche mit DU-Munition durchgeführt. Es habe ”einige Beschüsse im zweistelligen
Bereich” gegeben, so bestätigte Rheinmetall den Bericht der ”Süddeutschen” bereits
am 18. Januar. Die Tests, die ”unter freiem Himmel” stattfanden, seien ”in
Abstimmung mit den Behörden” und den ”zuständigen Stellen des Bundes”, wie dem
Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, erfolgt. 86 Allein 1977 wurden dem
Gewerbeaufsichtsamt 42 Abschüsse angezeigt; da die Menge des verwendeten
Urans jedoch unter drei Kilogramm lag, bedurfte es keiner behördlichen
Genehmigung. 87 Im Anschluss sei die Anlage ”saniert” worden. 88 Auch MBB sei an
den Versuchen in den frühen siebziger Jahren beteiligt gewesen, so die
”Süddeutsche” weiter. 89
Tests 1979 – 1996
Das Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen EADS (in der MBB 1990 aufging)
erklärte am 19. Januar, dass auch auf dem Spreng- und Schießplatz von MBB
in Schrobenhausen (Oberbayern) 17 Jahre lang, von 1979 bis 1996, DUMunition
getestet wurde. 90 Vor Jahren schon machte eine örtliche
Bürgerinitiative in Schrobenhausen darauf aufmerksam, daß in der Gegend in
den 80-er Jahren besonders viele Erkrankungen aufgetreten seien. 91 Die
Genehmigungen für die Uranmunition-Tests erteilte das bayrische Landesamt
für Umweltschutz für den Zeitraum von März 1979 bis April 1996; danach
durften ”auf dem Firmengelände in geschlossenen Behältern Schieß- und
Sprengversuche mit natürlichem oder abgereichertem Uran gemacht werden,
in einem Gesamtumfang von maximal 20 Kilogramm”. 92 Auftraggeber für die
Experimente war das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz. 93
Aus den Mitteilungen von EADS lässt sich schließen, dass auch bereits vor März
1979 Versuche in Schrobenhausen stattgefunden haben. So erklärte der EADSSprecher
Rainer Uhler, dass in den 70er Jahren ”eine auf wenige Tage beschränkte
Versuchsreihe von Rheinmetall durchgeführt” wurde.94 Auch nach Aussagen von
MBB-Mitarbeitern, die damals an den Tests beteiligt waren, seien in Schrobenhausen
in den 70er Jahren von der Firma Rheinmetall Tests mit uranhaltiger
Schiffsabwehrmunition unter freiem Himmel durchgeführt worden; die Materialien
seien anschließend ordnungsgemäß entsorgt worden. 95 Unklar bleibt dabei, ob die
Versuche vor März 1979 eine Genehmigung hatten und ob neben Rheinmetall auch
andere Firmen Versuche durchführten. (…)
Am 24. Januar 2001 berichtete erneut die ”Süddeutsche Zeitung”, dass das BMVg
am 29. Oktober 1986 (unter dem damaligen Minister Manfred Wörner/CDU) eine
Machbarkeitsstudie bei dem Rüstungsunternehmen Dynamit Nobel in Auftrag
gegeben hatte, in der das Unternehmen die Modalitäten (Kosten, Umweltauflagen,
Zeitrahmen etc.) und mögliche Probleme für den Bau einer Fertigungsanlage für
Uranmunition untersuchen sollte. Dynamit Nobel hätte auf
Dekontaminierungsprobleme und auf rechtliche Hürden (wie die damalige
Atomgesetzgebung) aufmerksam gemacht, so ein Firmensprecher. 96 (…)
Im April 1987 hätte sich das BMVg gegen den Bau einer solchen Anlage
entschieden, da man fürchtete, dass die Produktion von Uranmunition
”angesichts des politischen Umfelds nicht durchzusetzen” sei. 97 Auch in
diesem Falle gab sich das BMVg unwissend; die Aktenlage werde geprüft. Klar
ist zumindest, dass das Parlament nie informiert wurde. Am 29. Januar 2001
berichtete nunmehr ”Der Spiegel”, dass die Bundeswehr noch in den 90er
Jahren Forschungen zu Uranmunition durchführen ließ, 1991 unter Minister
Gerhard Stoltenberg etwa, als ein deutsch-französisches Forschungsinstitut in
Saint-Louis gemeinsam mit den USStreitkräften Studien über das
”Durchschlagverhalten” von DU-Geschossen erstellte oder 1993 unter Minister
Volker Rühe, als das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik Untersuchungen
zur ”Penetrator-Optimierung”, u.a. auch mittels Uran-Legierungen
durchführte.98
Im Strudel der Enthüllungen erklärte Verteidigungsminister Scharping am 24.
Januar – entgegen aller bisherigen Aussagen -, dass die Bundeswehr rund
1.500 uranhaltige Lenkflugkörper der sowjetischen Kampfflugzeuge vom Typ
MIG 29 aus den Beständen der NVA und der Westgruppe der Roten Armee
übernommen hatte und dass davon ”möglicherweise” acht bis zehn dieser DUGeschosse
in den neunziger Jahren verschossen wurden; 1.000 der
Geschosse seien ”entsorgt”, die restlichen 500 durch Entfernung des
Urankerns umgerüstet worden. 99 Auch darüber wurde das Parlament nicht
informiert. Noch heute sind die genauen Umstände unklar, so bspw., was
genau unter ”Entsorgung” zu verstehen ist. Meint dies eine kontrollierte
Vernichtung, eine ordnungsgemäße Endlagerung der Uranteile oder lediglich,
daß der Rüstungsschrott irgendwo verbuddelt wurde?
Ein erstes Fazit
Das Ausmaß der bisherigen Enthüllungen macht deutlich, wie wenig das Treiben des
Militärs auch in sogenannten Demokratien einer parlamentarischen Kontrolle
unterliegt. Dreißig Jahre lang konnte die Bundeswehr an radioaktiver und
chemotoxischer Munition experimentieren und damit Mensch und Umwelt nachhaltig
gefährden, ohne dass der Verteidigungsausschuß des Parlaments oder gar die
Bürger – die die Kriegsspiele der Waffennarren schließlich finanzieren müssen -
informiert, geschweige denn gefragt wurden. Die Arroganz, mit der das Militär
Informationen (…) zurückhält, veranschaulicht einen grundlegenden Fehler in der
Definition der Rolle des Militärs in Staat und Gesellschaft. Es widerspricht jedweder
demokratischen und rechtsstaatlichen Logik, dass das Militär die Fakten schafft, um
deren Offenlegung Politik und Öffentlichkeit dann betteln müssen.
Wieviel auch weiterhin verheimlicht wird ist völlig unklar. Falls die Aussagen von
Angelika Beer (Grüne) im Verteidigungsausschuß am 17. Januar 2001 stimmen,
dass sich das BMVg noch 1995 für einen Verzicht auf Uranmunition entschieden hat,
100 so hieße das, dass auch noch vor kurzem für das deutsche Militär die DU-Option
bestand – und vielleicht auch weiter besteht – und dass es wahrscheinlich ist, dass
dann auch zumindest bis 1995 Versuche mit DU-Munition stattgefunden haben
könnten. Nicht nur eine restlose Aufklärung der Vorfälle ist vonnöten, sondern eine
wirkliche, d.h. unabhängige zivilgesellschaftliche Kontrolle des Militärs.
6. Notwendige Maßnahmen
Angesichts der äußerst gravierenden Folgen des Einsatzes von Urangeschossen
haben sich zahlreiche internationale Akteure und Institutionen in eindeutiger Weise
gegen diese Waffen gewandt und eine Vielzahl von dringend einzuleitenden
Maßnahmen gefordert.
So hat ein Team irakischer Forscher und Ärzte dringend angemahnt, dass die
Besatzungsmächte im Irak Vertretern des Umweltprogramms für die Vereinten
Nationen (UNEP) sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erlauben sollen, ein
umfassendes Untersuchungsprogramm im Irak durchzuführen, um die Schäden an
der menschlichen Gesundheit sowie an der Umwelt, die durch diese Waffen seit
1991 verursacht wurden, feststellen zu können sowie der irakischen Bevölkerung und
den Kindern zu helfen, mit den Folgen der durch DU verursachten gesundheitlichen
Schäden fertig zu werden.
Denn:
• (…) „die Besatzungsmächte im Irak verleugneten und verschleierten vorsätzlich
die Arten, Einsatzorte und Mengen von Waffen, die verwendet wurden (…)
• Die Besatzungsmächte verboten dem Umweltprogramm für die Vereinten
Nationen (UNEP), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderen
internationalen Agenturen, irgendwelche Untersuchungsprogramme
durchzuführen, um die Gesundheitsrisiken bezüglich dieser radioaktiven
Schadstoffe gegenüber der irakischen Bevölkerung aufzudecken.
(…)
• Forschungsprogramme und Geländeuntersuchungen haben zweifelsfrei
bewiesen, dass das Vorhandensein von DU in Beziehung zu setzen ist mit der
radioaktiven Kontamination im größten Teil des Irak (außer in der nördlichen
Region des Kurdestan).
• Veröffentlichte epidemiologische Studien in Basra stellen eine eindeutige
Korrelation zwischen der Belastung mit radioaktiver Niedrigstrahlung auf Grund
von DU und der vielfältigen Zunahme von bösartigen Tumoren, genetischen
Deformationen und vielfachen Mißbildungen in Gebieten her, die nachweislich mit
DU kontaminiert wurden.“101
•
In einer am 19. Juni 2004 in Berlin verabschiedeten Stellungnahme von
Sachverständigen, Ärzten und Wissenschaftern über die Folgen des Einsatzes von
Uranmunition wird in diesem Sinne gefordert, dass insbesondere die offiziellen USamerikanischen
und die britischen Stellen ihre Blockade- und Vertuschungspolitik
aufgeben.102
Die Bandbreite der insgesamt notwendigen Maßnahmen verdeutlicht eine im Jahr
2000 vom Antidiskriminierungsnetzwerk MSD e.V. (Berlin) formulierte und von vielen
Friedensgruppen103 getragene Resolution. Diese verweist noch einmal auf die
immense Halbwertzeit von Uran (4,5 Milliarden Jahre), die langfristige Bildung
radiologisch gefährlicher Zerfallsprodukte des Urans und die damit verbundene
chemische und radiologische Toxizität von abgereichertem Uran wie auch seiner
Verbindungen, die vorhersehbar nachhaltige Schäden für Mensch, Tier, Pflanze und
die ökologischen Kreisläufe erzeuge.
Mit Blick auf die militärische Verwendung von DU wird betont, dass diese vielfältig
gegen gültiges humanitäres Völkerrecht verstößt, u.a. den Grundsatz der nicht
unbeschränkten Wahl von Kriegsmitteln und -methoden (Art. 22 Haager
Landkriegsordnung HLKO), gegen Art. 35 Zusatzprotokoll I zu den Genfer
Abkommen (ZP I), das Verbot der Verursachung unnötiger Leiden und überflüssiger
Verletzungen (Art. 23 Abs. 1 e HLKO; Art. 35 Abs. 2 ZP I), gegen den Grundsatz der
unterschiedslosen Kriegsführung (Art. 51 Abs. 4 c und 5 b ZP I) sowie der
Anwendung von Giftwaffen (Art. 23 Abs. 1 a HLKO). Die Erklärung erinnert zudem
daran, dass Einsatz und Gebrauch von DU gültigen Grundsätzen des internationalen
Umwelt- und Menschenrechtsschutzes zuwiderläuft und sich – wie in Resolution
1996/16 der UN-Menschenrechts-Unter-Kommission festgestellt wird – gegen das
Recht auf Leben richten. Auf dieser Grundlage werden gefordert:
1) Ächtung von Verwendung, Entwicklung, Produktion, Transport, Lagerung und
Besitz von DU-Munition und DU-Panzerung sowie jeglicher weiteren militärischen
DU-Nutzung;
2) Medizinische Versorgung aller DU-Opfer, insbesondere der Kinder;
3) Vernichtung aller DU-Munitions- und -Kriegsgerätebestände und sichere
Endlagerung des Urans in stabiler chemischer Verbindung;
4) Verbot der zivilen Nutzung von DU wegen der zukünftigen oder bereits
eingetretenen Freisetzung von Uran und seinen Verbindungen bei Unfällen;
5) Dekontamination aller DU-verseuchten militärischen und zivilen Geräte;
6) Dekontamination aller DU-verseuchten Gebiete. Hierzu gehören neben
Kriegsschauplätzen auch militärische Übungsplätze und sonstige Einsatzgebiete;
7) Umwandlung der weltweit etwa 2-3 Millionen Tonnen DU in Form von chemisch
nicht hinreichend stabilem Uranhexafluorid in das stabile Uranoxid und dessen
sichere Endlagerung;
Ahndung von militärischer DU-Anwendung als Kriegsverbrechen (gemäss Art. 85
Abs. 3 b ZP I Art. 6 b IMT-Statut; Art. 2 c, 3 a und b ICTY-Statut; Art. 8 Abs. 2 b
Rom-Statut);
9) Beseitigung der Folgeschäden von DU-Anwendung gemäss allgemeinen
(völker)rechtlichen Haftungsgrundsätzen;
10) Schaffung eines Zentrums zur weltweiten Dokumentation aller DU-verseuchten
Gebiete, insbesondere der Kriegsschauplätze, militärischen Übungsplätze,
Unfallstellen.
In eine sehr ähnliche Richtung geht die International Petition der ICBUW
(Internationale Koalition für ein Verbot von Atomwaffen), die zudem explizit einen
sofortigen Stopp des Einsatzes von Uranwaffen, Gesundheitserhebungen bei den
Opfern von Uranwaffen und Umweltuntersuchungen in den betroffenen Gebieten
sowie – neben der medizinischen Behandlung – die Entschädigung der Opfer von
Uranwaffen fordert und den Vertragsentwurf für eine entsprechende Konvention
vorbereitet hat ( www.bandepleteduranium.org). 104
Angesichts der – von der Subkommission der UN-Menschenrechtskommission
mehrfach festgestellten – Unvereinbarkeit der Verwendung von Uranmunition mit
dem bestehenden Völkerrecht und den Menschenrechten 105wächst weltweit die
Unterstützung für ein Abkommen zur Ächtung von Uranwaffen. Im Jahr 2006 hat das
Europäische Parlament seine drei früheren Aufrufe für ein Moratorium dadurch
bekräftigt, dass es zur Einführung eines totalen Verbots aufrief, in dem Uranwaffen
zusammen mit weißem Phosphor als inhuman eingestuft wurden.106 In den
Vereinigten Staaten hat die zunehmende Sorge um die gesundheitlichen Folgen von
Uranmunition einzelne Bundesstaaten dazu veranlasst, Testverfahren für
heimkehrende Soldaten einzuführen.107 Ein wichtiges politisches Signal stellt zudem
die einstimmig getroffene Entscheidung der nationalen Verteidigungskommission des
belgischen Parlaments dar, die am 7. März 2007 übereinkam, den Einsatz von
Munition und Panzerplatten aus abgereichertem Uran auf belgischem Territorium zu
verbieten. Dieses Verbot umfasst die Herstellung, den Einsatz, die Lagerung, den
Verkauf, die Anschaffung, die Lieferung und den Transit dieser Waffensysteme. 108
Mit über 80 Mitgliedorganisationen weltweit bietet die ICBUW die bisher beste
Möglichkeit, um ein globales Anwendungsverbot von allen Arten von Uranwaffen zu
erreichen. Mit der Verbreitung eines Konventionsentwurfs für eine Ächtung von
Uranwaffen folgt die ICBUW dem erfolgreichen Beispiel der internationalen
Kampagne zur Ächtung von Landminen. Dazu ist eine breite Mobilisierung
notwendig, mit der die Informationsarbeit intensiviert und auf die politischen
Entscheidungsebenen Einfluss genommen werden kann. ICBUW fordert daher dazu
auf,
1) an die Parlamentsmitglieder und Verteidigungsminister zu schreiben und die
Besorgnis bzgl. der Uranwaffen mitzuteilen,
2) Kontakt mit der ICBUW aufzunehmen, um weitere Informationen zu erhalten,
3) Veranstaltungen zu organisieren, um Spenden für die Unterstützung der
ICBUW zu sammeln,
4) die unabhängige Forschung zu den Auswirkungen der Uranmunition zu
unterstützen;
5) im Internet die Petition für eine internationale Ächtung der Uranmunition zu
unterzeichnen (www.icbuw.org).
Kontakt: ICBUW (internationales Büro), Bridge 5 Mill, 22a Beswick Street, Ancoats,
Manchester, United Kingdom, M4 7HR
Wissenschaftliche Literatur
Übernommen aus der Literaturliste von Professor Schott (s. Anm. 33
Doug Rokke, „Depleted Uranium, Uses and Hazards“, in:
http://www.iacenter.org/depleted/duupdate.htm, June 1, 2003, Compare Leuren
Moret, Forward to „Discounted Casualties: The Human Cost of Depleted Uranium“ by
Akira Tashiro, in: http://www.mindfully.org/Nucs/DU-Casualties_Tashiro2001.htm,
(June 2001), June 24, 2003 and Moret, „Depleted Uranium: devestation at home and
abraod“, in http://www.wagingpeace.org/articles/02.01/020117moret.htm, (2002)
June 24, 2003.
Roth/Daunderer, The Poison List, Landsberg/Lech, 84th Edition, July 2000. Compare
Ralph Graeub, The Petkau Effect (In German: Katastrophale Folgen niedriger
Radioaktivität), Bern 2 1990
A.C. Miller, „Genomic instability in human osteoblast cells after exposure to depleted
uranium: delayed lethality and micronuclei formation“, in: Journal of Environmental
Radioactivity 64 (2003), pp. 247-259;
H. Schröder et al., „Chromosome Aberration Analysis in Peripheral Lymphocytes of
Gulf War and Balkans War Veterans“, in: Radiation Protection Dosimetri, V. 103:3,
pp. 211-219 (2003);
P. Horan et al., „The quantitative analysis of depleted uranium isotopes in British,
Canadian, and Gulf War veterans“, in: Military Medicine, V. 167:8, pp. 620-627
(2002);
M.A. McDiarmid et al., „Health effects and biological monitoring results of Gulf War
veterans exposed to depleted uranium“, in: Military Medicine, V. 167; 2 Suppl., pp.
123-124 (2003);
2003 Recommendations of the European Committee on Radiation Risk (ECRC):
Health Effects of Ionising Radiation Exposure at Low Doses for Radiation Protection
Purposes, Regulator’s Edition, Brussels 2003;
Letter from Leuren Moret to Congressman McDermott, in:
http://www.mindfully.org/Nucs/2003/Leuren-Moret-Gen-Groves21feb03.htm,
(February 21, 2003), June 24, 2003;
Frida Berrigan „Weapon of Mass Deception“, in: In These Times Online,
http://inthesetimes.com/comments.php?id=253_0_1_0_C, (June 20 2003) June 30,
2003 and
Alex Kirby, „Depleted uranium study `shows clear damage´“, in: BBC Online,
http://www.news.bbc.co.uk/1/hi/sci/tech/431817.htm (August 27, 1999), June 30,
2003. Compare the UNEP reports, 2002/2003, Borst, 2003. and Farley, 2003.
Quellennachweise und Anmerkungen
1 (lat. nanus =Zwerg“), Nanometer: Längeneinheit = 1 Milliardstel Meter = 1 nm = 10
hoch minus neun Meter. Partikel von unvorstellbarer, „submikroskopischer“
Winzigkeit.
2 ICBUW, Internationale Koalition für ein Verbot von Uranwaffen; Informationen zu
Uranwaffen, in: Zeit-Fragen Nr. 11 vom 19. März 2007, S. 9f.
www.icbuw.org, Übersetzung: Zeit-Fragen.
3 „Urangeschosse und Miniaturbomben: Amerikanische Massenvernichtungswaffen
an den Grenzen der Legalität“, Studentische wissenschaftliche Ausarbeitung von
Sirko Salka im SS 2003, FU Berlin, Seminar Prof. Vilmar, S. 6
4 Vgl.Ralf Cüppers (HG)/Deutsche Friedensgesellschaft: Urangeschosse, Flensburg
2002, Seite 3
5 Vgl. Piotr Bein / Karen Parker, Vertuschung von Uranwaffen – ein Verbrechen
gegen die Menschheit, in: Politics and Environmental Policy in the 21th Century,
Belgrad 2003, S. 3
6 Rosalie Bertell, «Depleted Uranium: All the Questions About DU and Gulf War
Syndrome are not yet Answered», in: International Journal of Health Services, 2006,
Volume 36, Nummer 3, Seiten 504, 507, in: Zeit-Fragen Nr. 41 vom 11. Oktober
2006, Seite 3
Rosalie Bertell gründete das International Institute of Concern for Public Health in
Toonto/Kanada und war bis 1996 dessen Vorsitzende. Sie war Gründungsmitglied
der International Medical Commission mit Sitz in Genf und beschäftigt sich seit 1970
mit umweltbedingten Krankheiten. Sie war Vorsitzende des internationalen
medizinischen Auschusses, der sich mit den Folgen der Chemiekatastrophe im
indischen Bhopal befasste und organisierte eine Kommission, die die medizinischen
Folgen des Super-GAU von Tschernobyl untersuchte.
7 BAE CSR statement:
www.baesystems.om/corporateresponsibility/2003/stakeholders/index1.htm
8 Leaked US Army transport letter: www.bandepleteduranium.org/en/a/113.html
9 United Nations Environment Programme Recommends Precautionary Action
Regarding Depleted Uranium In Kosovo UNEP press release, March 2001.
tinyurl.com/26pfck
10 Salka verweist sogar auf die Schätzung einer weitaus größeren Menge – 900
Tonnen Uranmunition – die damals in der Golfregon verblieben sind: Arbuthnot,
Felicity: Vergiftetes Erbe. Über die Zunahme von Krebs und Mißbildungen seit dem
Golfkrieg, in: Göbel, Rüdiger/Guilliard, Joachim/Schiffmann, Michael: Der Irak. Ein
belagertes Land, Köln 2002, Seite 138
11 Sirko Salka; a. a. O., Seite 8ff.(Fn. 3)
12 Siegwart-Horst Günther, Uran-Geschosse: Schwergeschädigte Soldaten,
mißgebildete Neugeborene, sterbende Kinder, eine Dokumentation der Folgen
des Golfkriegs, 1993-1995, Freiburg 2000, S. 22
13 Bein/Parker, a. a. O., S. 8 (Fn. 5)
14 Bein/Parker, a. a. O., S. 8 (Fn. 5)
15 Bein/Parker, a. a. O., S. 9 (Fn. 5)
16 Bein/Parker, a. a. O., S. 8 (Fn. 5)
17 Bein/Parker, a. a. O., S. 6 (Fn. 5)
18 Siegwart-Horst Günther a. a. O., S. 23 f (Fn. 12)
19 Günther, Siegwart-Horst, a. a. O., S. 21 (Fn. 12)
20 Cüppers, a. a. O., S. 8 (Fn. 4)
21 Siegwart-Horst Günther, a. a. O., S. 24 (Fn. 12)
22 Bein/Parker, a. a. O., S. 9 (Fn. 5)
23 Joachim Guilliard,: „Golfskriegs-Syndrom“ im Irak. Einige Studienergebnisse über
die Auswirkungen des Krieges auf Umwelt und Gesundheit, in: Göbel,
Rüdiger/Guilliard, Joachim/Schiffmann, Michael: Der Irak. Ein belagertes Land, Köln
2002, S.158
24 Rosalie Bertell, a. a. O. (vgl. Fn. 6)
25 Committee Examining Radiation Risks of International Emitters (CERRIE), Final
Report, www.cerrie.org, sponsored by the UK Dept. of Health and DEFRA.
26 Uranyl acetate induces hprt mutations and uranium-DNA adducts in Chinese
hamster ovaries. Stearns et al. Mutagenis 2005; 20: 417-423
27 Short-term effects of depleted uranium on immune status in rat intestine.
Dublineau I et al, Journal of Toxicology and Environmental Health. 2006 Sep; 69(17):
1613-28
28 Presentation of European Parliament by Dr Keith Baverstock, formerly of the
WHO, Full text: www.bandepleteduranium.org/en/a/24.html
29 So müssen wir es hinnehmen, dass in den von uns zitierten Berichten u.a. von
sehr verschiedenen, in jedem Fall aber katastrophalen Opfer-Zahlen berichtet wird.
R. Cüppers nennt (Fn. 4), 2002 250 000 am „Golfkriegssyndrom“ erkrankte USVeteranen
und 10 000 verstorbene, S.-H. Günther nennt 2003 in einem Vortrag,
unter Berufung auf den Präsidenten der US-Golfkrieg-Veteranen, weniger als die
Hälfte dieser Zahlen: 50-80 00 Erkrankte, 2.400 – 5.000 (!) Verstorbene (Fn. 19)
30 Dan Fahey, Science Or Science Fiction. Facts, Myths and Propaganda In the
Debate Over Depleted Uranium Weapons,12. März 2003: http://www.wiseuranium.
org/pdf/dumyths.pdf
31 In dieselbe Richtung, die Verharmlosung auf die Spitze treibend, geht die
Argumentation von Ronald Bailey (in der amerikanischen Zeitschrift REASON vom
26. 3. 2003). Danach werden 98 – 99,4 % des DU mit der Verdauung
ausgeschieden, und die große Mehrheit des verbleibenden DU und des Uranstaubes
wird umgehend („rapidly“) durch den Blutkreislauf und die Nieren gereinigt, sodaß die
Berührung mit DU keinerlei erkennbare („detectable“) Gesundheitseffekte
hervorbringt … bei einer realistischen (!) Analyse der eingenommenen Dosen.
32 UNEP, Depleted Uranium im Kosovo. Post-Conflicct Environmental Assessment.
First publ. in Switzerland (Geneva) 2001.
33 Englisch, auch ins Deutsche übersetzt in der (privat gedruckten) Schrift von Prof.
Albrecht Schott: Fluch und Tragödie des Uranmissbrauchs. Dort auch Näheres über
die von Prof. Schott zur Finanzierung seiner DU-Schäden-Forschung gegründeten
Vereinigung WODUC (World Depleted Uranium Centre). Zu beziehen bei Prof. A.
Schott, Harnackstr. 18, 14195 Berlin
34 UNEP, a.a.O. (F.note 32)
35 Bertell, Rosalie,a.a.O., S. 516 (Fn. 6)
36 Siegwart-Horst Günther, Medizinische Folgen von Kriegen für die Bevölkerung:
Der Golfkrieg 1991, Vortrag, gehalten am 29. 1. 2003
37 Siegesmund von Ilsemann, Waffen aus der Atomfabrik, in: Der Spiegel Ausgabe 4
vom 22. 1. 2001, S. 24f
38 Le Courrier des Balkans, Übersetzung von Persa Aligrudic; Erstveröffentlichung
am 27.9.06, online am 2.10.06, abgedruckt in: Zeit-Fragen Nr. 41 vom 10. Oktober
2006 , S. 2
39 Le Courrier des Balkans, a.a.O.
40 Helen Caldicott, Atomgefahr USA. Die nukleare Aufrüstung der Supermacht.
München 2003, ISBN 3-7205-2385-3, S. 268 ,abgedruckt in: Zeit-Fragen Nr. 41 vom
10. Oktober 2006, S. 2
41 Helen Caldicott, a.a.O., S. 267f.
42 Als die Bäume mitten im Sommer ihre Blätter verloren, in: Zeit-Fragen Nr. 41 vom
11. Oktober 2006, S. 2
43 Velimir Nedeljkovic, Hauptziel war die militärische Inbesitznahme dieses Raumes,
(Januar 2007), abgedruckt in Zeit-Fragen Nr. 17 vom 30. April 2007, S. 6ff.
Professor Velimir Nedeljkovic ist Spezialist für Energiefragen und Hydrotechnik,
Fakultät für Arbeitssicherheit der Universität Nis, Serbien
44 Barbara Hug, Serbien – 8 Jahre nach dem Krieg der Nato, in Zeit-Fragen Nr. 17
vom 30. April 2007, S. 7
45 Asaf Durakovic, Die vorsätzliche radioaktive Verseuchung der Bevölkerung
Afghanistans, 2001 bis heute. Feldstudien decken extreme Urankontamination auf,
aus: Undiagnosed Illnesses and Radioactive Warfare, in Croatian Medical Journal,
44(5): 520-532, 2003, abgedruckt in: Zeit-Fragen Nr. 41 vom 10. Oktober 2006, S. 9
Übersetzung: Zeit-Fragen
Professor Asaf Durakovic MD, Ph. D, ist Direktor der medizinischen Forschung am
Uranium Medical Research Center UMRC, Professor für Radiologie und
Nuklearmedizin.
46 Chris Busby, Wie der Uranstaub aus dem Irak nach England kam, abgedruckt in:
Zeit-Fragen Nr. 41 v. 11. Oktober .2006, S. 11, (Übersetzung Zeit-Fragen)
47 Quelle: www.repubblica.it vom 9. Oktober 2007
Übernommen aus Zeit-Fragen Nr. 41 vom 15. Oktober 2007
48 Aus Zeit-Fragen Nr.40 vom 8.10.2007, Seite 3
49 „Nachdenken über den Jugoslawien-Krieg“, Zeit-Fragen Nr.9 vom 5.3.2007 S. 9
50 Jörg Becker, Mira Beham: Operation Balkan: Werbung für Krieg und Tod, Nomos
Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2006, ISBN 3-8329-1900-7
51 WHO Guidance on Exposure to Depleted Uranium For Medical Officers and
Programme Administrators. tinyurl.com/aegbx
52 Interview, BBC Radio 4 Today Program, Nov 2006. tinyurl.com/2do8yw
53 Barbara Hug a. a. O. (Fn. 44)
54 Barbara Hug a. a. O. (Fn. 44)
55 Dr. med. Angelika Claußen, Vortrag auf dem IPPNW-Kongress 2004 „Atomwaffen
& Atomenergie in einer instabilen Welt“ (7.-9. Mai 2004 in Berlin). Thema: Die
Auswirkungen von abgereichertem Uran (Depleted Uranium – DU) auf die
Gesundheit der Menschen.
56 Nuclear Policy Research Institute (July 2003), Depleted Uranium: Scientific Basis
for Assessing Risk. Quelle: http://www.atomkongress.de/
57 Titel der Untersuchung: «Measurements of daily urinary uranium excretion in
German peacekeeping personnel and residents of the Kosovo region to assess
potential intakes of depleted uranium (DU)» was verkürzt gesagt bedeutet, dass
diverse Messungen des Urangehaltes im Urin bei den Soldaten und der Bevölkerung
vorgenommen wurden. Die Autoren der Studie sind U. Oeh, N.D. Priest, P. Roth,
K.V. Ragnarsdottir, W.B. Li, V. Höllriegl, M.F. Thirlwall, B. Michalke, A. Giussani, P.
Schramel und H.G. Paretzke.
Quelle: Zeitschrift ScienceDirect, (www.sciencedirect.com), April 2007, Artikel über
die gesundheitliche Belastung von Friedenstruppen aus Deutschland auf dem Balkan
sowie von Einwohnern der Kosovoregion, unter dem Aspekt der Kontamination mit
Depleted Uranium. (ScienceDirect, 381 (2007) 77-87. )
Übernommen aus Zeit-Fragen Nr.31 vom 6. August 2007
58 Jörg Becker, Mira Beham: a. a. O., S. 35 (F.n. 50)
59 Siegwart-Horst Günther a. a. O. (Fn. 36)
60 Dr. med. Ralf Cüppers, (Deutsche Friedensgesellschaft, Vereinigte
KriegsdienstgegnerInnen), Halbe Wahrheiten und ganze Lügen – wie die
Gesundheitsgefährdung durch Uranmunition kleingeredet wird. www.uranmunition.de
61 Kristian Zitzlaff, Uranmunition in Deutschland, in: AMI (Anti-Militarismus-
Information), Februar 2001
62 Peter Strutynski, Stolpert Scharping über die Uran-Geschosse?
Der Verteidigungsminister informiert nur darüber, was zuvor die Zeitungen
berichteten, www.uni-kassel.de/fb10/frieden/ themen/DU-Geschosse/versuche. Html
63 Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs Bernd Wilz vom 12. 6. 95 über:
www.bundeswehr.de/cgi-bin/w3-msql/news/aktuelles/bw_get_news.html?id=674,
Anlage 1
64 Schreiben des Staatsministers im Auswärtigen Amt Helmut Schäfer vom 9.10.97,
über:www.bundeswehr.de/cgi- bin/w3-msql/news/aktuelles/
bw_get_news.html?id=674, Anlage 2
65 Junge Welt, 10.1.01
66 Zit. nach: Frankfurter Rundschau (FR), 10.1.01; am selben Tag kündigte
Scharping an, ermitteln zu lassen, welche Munition durch ausländische Streitkräfte in
Deutschland verwendet wird. Vgl.: Junge Welt, 10.1.01
67 FR, 11.1.01
68 ebd.
69 FR, 19.1.01; der Vorfall in Gollhofen ereignete sich am 20.9.88 während des
NATOManövers ”Reforger”, als ein Panzer aufgrund einer undichten Benzinleitung
Feuer fing. Vgl.: Netzeitung, 19.1.01, www.netzeitung.de/servlets/page?
section=784&item=127319; Der Spiegel 4/01 (22.1.), S. 23
70 Vgl.: www.bundeswehr.de/ cgi-bin/w3-msql/news/aktuelles/
bw_get_news.html?id=684; in Schweinfurt geriet am 28.2.85 ein Panzer aufgrund ei -
nes Kurzschlusses in Brand. Unklar ist in den genannten Auflistungen, ob in
Grafenwöhr ein, zwei oder drei ”Vorfälle” stattgefunden haben, denn eine Woche
zuvor war von einem dortigen Vorfall in 1987 die Rede, nun wird ein Vorfall 1986
genannt ”sowie ein bereits bekannter” in 1988. Vgl.: Netzeitung, 19.1.01,
ww.netzeitung.de/servlets/page?section=784&item=127319
71 Der Spiegel 4/01 (22.1.), S. 25
72 Zit. nach: FR, 2.2.01
73 Süddeutsche Zeitung (SZ), 11.1.01; hingegen gehörte DUMunition nach Aussage
der Sprecherin des US-Hauptquartiers in Heidelberg, Elke Herberger, bis zum Ende
des Kalten Krieges zur Standardbestückung der US-Panzer. Vgl.: Netzeitung,
19.1.01, www.netzeitung. de/servlets/page?section=784&item=127319
74 FR, 19.1.01
75 SZ, 20./21.1.01
76 SZ, 26.1.01
77 Marion Küpker, Abgereichertes Uran (DU=depleted uranium), das Agent Orange
der 90-er Jahre, in: atomwaffenfrei 3/99 (September), S. 5
78 Der Spiegel 3/01 (15.1.), S. 120
79 Berliner Zeitung, 25.1.01
80 Vgl.: Anlage 5 zu Frage 3 der Kleinen Anfrage der PDS Fraktion (BT-Drucksache
14/4059), Antwort vom 1.12.00 (BT-Drs. 14/4867);
81 Die Welt, 15.1.01
82 Telefax des BMVg vom 15.1.01, über: www.bundeswehr. de/cgi-bin/w3-msql/news/
aktuelles/bw_get_news.htm l?id=674, Anlage 3
83 Interview im NDR 4 vom 16. Januar 2001, www.ndr4.de/interviews/
200101162.html
84 SZ, 17.1.01; in diesem Kontext wies der Naturschutzbund Deutschland darauf hin,
daß in der Nähe des TÜP Sennelager die Zahl der Krebstoten seitdem stark
gestiegen sei.
85 Zit. nach: www.bundeswehr. de/cgi-bin/w3-msql/news/ aktuelles/bw_get_news.htm
l?id=679; zugleich erklärte das BMVg am 16. Januar, daß man jedoch nicht
ausschließen könne, daß DU-Munition zumindest getestet worden ist. Vgl.: SZ,
17.1.01
86 SZ, 19.1.01; im Ergebnis hätte man sich dann für Wolfram entschieden.
87 SZ, 22.1.01
88 Focus 4/01 (22.1.), S.29
89 SZ. 19.1.01
90 Der Spiegel 4/01 (22.1.), S.25
91 SZ, 20./21.1.01
92 Zit. nach: Netzeitung, 19.1.01, www.netzeitung.de/ servlets/page?section=784&ite
m=127319
93 ebd.
94 zit. nach: Netzeitung, 19.1.01, www.netzeitung.de/servlets/page?
section=784&item=127319
95 SZ, 20./21.1.01
96 SZ, 24.1.01
97 Zit. nach: SZ, 25.1.01
98 Der Spiegel 5/01 (29.1.), S.33; nach unbestätigten Informationen der Federation of
American Scientists (FAS) soll in Deutschland DU-Munition des Kalibers 120-mm für
Leopard II-Panzer produziert werden oder produziert worden sein. Wie die
Bundesregierung in einer mündlichen Fragestunde des Bundestages am 9.
November 2000 angab, lägen ihr darüber jedoch ”keine Erkenntnisse” vor. Siehe:
Rundmail von Heidi Lippmann vom 9.1.01, weitere Informationen bei: heidi.
lippmann@bundestag.de
99 FR, 25.1.01
100 Netzeitung, 17.1.01, www.netzeitung.de/servlets/page?
section=784&item=126911
101 Prof. Souad N. Al-Azzawi, Radioaktive Kontamination durch abgereichertes Uran
im Irak: Ergebnisse von Untersuchungen seit 1990, abgedruckt in: Zeit-Fragen Nr.41
vom 11. Oktober 2006, S. 6 (Übersetzung Zeit-Fragen)
Quelle: www.globalresearch.ca/index.php?context=viewArticle&code=AL-
20060831&articleId=3116
Frau Professor Dr. Souad N. Al-Azzawi ist ausserordentliche Professorin an der
Wissenschaftlichen und Technischen Universität Mamoun im Irak, Mitglied des
Beratungskomitees des Bertrand Russel Tribunals. Präsentation bei der dritten
internationalen ICBUW-Konferenz in Hiroschima, 3.–6.8.06
102 Sachverständigenstellungnahme, Irak-Tribunal, Berlin 19.6.2004 von Dr. med.
Angelika Claussen, Vorsitzende der IPPNW Deutschland, abgedruckt in Zeit-Fragen
Nr.11 vom 19.3.2007, S. 8, iraktribunal.de/hearing190604/claussen.htm
103 Zu den unterzeichnenden Organisationen zählten: World Depleted Uranium-
Center e.V. (Berlin); Prof. Dr. Dr. h.c. Siegwart-Horst Günther, Präsident Gelbes
Kreuz International; International Depleted Uranium Study Team IDUST, Damacio
Lopez, USA; MSD e.V. Antidiskriminierungsnetzwerk, c/o Prof. Dr. A. Schott (Berlin);
Juristinnen und Juristen gegen atomare, biologische und chemische Waffen. Für
gewaltfreie Friedensgestaltung IALANA (Marburg); Deutsche Sektion der
Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer
Verantwortung IPPNW (Berlin); Friedensratschlag/Kasseler Friedensforum (Kassel);
International Network of Engineers and Scientists for a Global Responsibility INES;
Naturwissenschaftler/Innen-Initiative Verantwortung für Friedens- und
Zukunftsfähigkeit (Dortmund).
104 Internationale Petition für ein Verbot von Uranwaffen, abgedruckt in Zeit-Fragen
Nr. 11 vom 19. März 2007, S.10
105 UNHCHR resolutions: 1996: tinyurl.com/yqn5qv, 1997:http://tinyurl.com/ypjn75
106 European Parliament Makes Fourth Call for DU Ban: